Hebamme Ute El-Bira ist gegen Wunsch-Kaiserschnitte
Wedtlenstedt Die Anzahl der per Kaiserschnitt (Sectio) geborenen Kinder steigt: Ute El-Bira unterstützt daher die Internet-Kampagne zur Senkung der Sectio-Rate.
Gestartet wurde dieses Projekt auf Initiative des „Runden Tisches des Arbeitskreises Frauengesundheit“. Denn die Hebamme Ute El-Bira warnt eindringlich vor den Folgen für die werdenden Mütter: „Bei einem Wunschkaiserschnitt wird nicht ausreichend über die Folgen für die Frauen aufgeklärt: Häufig entwickeln sich psychische Störungen, von körperlichen Risiken wie erhöhte Blutungen, Störungen der Stillbeziehung oder etwa Infektionen ganz zu schweigen.“ Solche Erlebnisse haben der 66-Jährigen zufolge weitere Konsequenzen: „Welche Frau tut sich das gerne noch mal an? Vielleicht ist auch das ein Grund für die alarmierend niedrige Geburtenrate in Deutschland?“
Die langjährige Hebamme betont: „Die werdende Mutter wird oft verunsichert, dass das ungeborene Kind zu groß und schwer ist. Das ist nicht selten Auslöser dafür, dass die Frauen den Wunsch nach einem Kaiserschnitt entwickeln.“ Weiter weist die Wedtlenstedterin darauf hin: „Nach einer Sectio haben die Mütter eine längere Zeit Schmerzen als nach spontanen Geburten.“
Darüber hinaus sei eine Sectio rentabler: Für eine natürliche Entbindung gebe es für die Krankenhäuser eine Pauschale von zirka 1200 Euro, beim Kaiserschnitt berechneten Kliniken das Dreifache.
Und was passiert mit den Kindern? „Sie reagieren häufig mit Anpassungsstörungen und landen auf der Intensivstation“, warnt die Hebamme aus Wedtlenstedt. Ein weiteres Problem: Die in der Schwangerschaft zuständige Hebamme ist bei der Geburt in den meisten Fällen gar nicht mehr dabei. „Denn den Hebammen sind aus haftpflichtversicherungstechnischen Gründen die Möglichkeiten genommen worden, etwas anderes anzubieten“, beklagt El-Bira. Die jeweilige Frau habe somit keine Wahlmöglichkeit über den Ort und das „Wie“ sie ihr Kind zur Welt bringen möchte.
Dennoch nimmt sie auch die Kolleginnen in die Pflicht: „Eine ehrliche Aufklärung in Geburtsvorbereitungskursen durch uns Hebammen ist von höchster Bedeutung. Ob uns alle Frauen glauben, ist allerdings fraglich. Die Ärzte genießen oft ein höheres Ansehen.“
Um eine Reduzierung der Rate zu erzielen, wünschen sich die 66-Jährige und das Netzwerk Frauengesundheit weitere Änderungen. „Ich befürworte beispielsweise die 1:1-Betreuung. Eine Hebamme ist oftmals für viele Gebärende zuständig und kann die Einzelne somit gar nicht ausreichend betreuen“, erklärt die Hebamme: „Doch eine 1:1-Betreuung ist in den hiesigen Krankenhäusern leider bisher nicht vorgesehen.“

