Erinnerungen an die Ölsburger Gaststätte „Kummer“
Ölsburg Das Gasthaus Kummer in der Schäferstraße 7 in Ölsburg ist inzwischen abgerissen. Die ehemalige Wirtin Christa Kummer aus Stederdorf erinnert sich.
Christa Kummer erinnert sich nicht nur an die Zeit, in der sie die Gaststätte betrieben hat, sie bewahrte auch viele historische Dokumente ihrer Vorgänger auf, die etwa 130 Jahre Wirtshausgeschichte darstellen. Diese übergab sie zur Auswertung dem Peiner Heimatforscher Jens Koch.
Angefangen hatte einst alles mit Carl Bosse. Die Geschichte des Gasthauses geht bis um 1870 zurück: Damals wurde aus einem Brinksitzerhaus das Gasthaus Carl Bosse, vermutlich bereits mit kleiner Handlung. Ölsburg gehörte damals noch zum Herzogtum Braunschweig. Bosse stand in enger Geschäftsbeziehung mit der Peiner Essig- und Senf-Fabrik Gustav Ottens (gegründet 1862, ehem. Breite Straße 27) wie das von Christa Kummer bewahrte „Conto-Buch“ beweist. Bestellt wurden übliche Spirituosen aller Art, besonders gern „Bitter“, Rum und Cognac.
Knapp ein Jahrzehnt später übernahm der 1865 geborene Wilhelm Welge das Lokal, welches er bis 1941 zusammen mit seiner Schwester Alma Jordan geb. Welge betrieb. Diese unterhielt auch einen florierenden Kolonialwaren-Laden im Hause. Die vielfältigen Artikel von Petroleum über diverse Seifen, Graupen, Sago, Linsen, Rosinen, Honig, Zucker usw. lieferte die „Caffee-, Thee- und Colonialwaaren-Handlung“ August Wiedenhöft aus Hildesheim.
Ihr früh verstorbener Gatte entstammte einer sehr alten Braunschweiger Brauerfamilie, die schon für das 17. Jahrhundert belegt ist und im Braunschweiger Brauergildebuch erwähnt wird. Welge selbst leistete sich voller Stolz anfangs eigens für ihn manuell gesiegelte Bier-Flaschen. Bei der Mühle W. Schoke in Groß Ilsede bestellte Welge im Juli/August 1911 größere Mengen Roggenklei, Gersteschrot und Weizenmehl. Auch hier sind die historischen Belege erhalten.
Dann aber folgte Namensgeber Bruno Kummer und danach das Ehepaar Frieda und Udo Behme; schließlich die Wirtin Christa Kummer von 1964 bis 2000, der das Anwesen mit ihrer Geburt bereits übertragen worden war; einen Umstand, den die Stederdorferin noch heute als kurios bezeichnet.
Es folgten weitere Nachbesitzer, bevor das Gasthaus vor etwa sieben Jahren geschlossen wurde. Behmes aber wanderten schon 1964 nach Ohof ab.
Christa Kummer (76) aber erinnert sich noch gut an die Welge-Ära in Ölsburg: „Am Sonntag spielte im Garten-Pavillon ein kleines Orchester zur Unterhaltung; die Stammbesucher strömten stets zahlreich herbei, wenn es das Wetter erlaubte. Der viele bestellte Kaffee, erwähnt in den Büchern, wurde damals roh geliefert und von Alma in einer großen Pfanne geröstet; das war ihr Verkaufsschlager. Viele Vertreter und Hausierer kamen nur deshalb vorbei, manche übernachteten auch.“ Aus dem prall gefüllten, alten Anschreibe-Buch Welges lässt sich schließen, dass die Ölsburger zwar „Flüssiges“ schätzten, aber nicht immer „flüssig“ waren. Selbst der Bürgermeister zahlte seine Zeche oft erst am Monatsende; gönnte sich regelmäßig jedoch ein paar gute Zigarren. Gern war auch Christa Kummer Wirtin, erholte sich, wenn möglich, in dem zur Fuhse gelegenen Garten, der bei Hochwasser auch mal überschwemmt wurde.
Der umfangreiche Papiernachlass steht ab sofort im Peiner Stadtarchiv Interessierten zur Verfügung.
