Bereits elf Verkehrstote in diesem Jahr im Kreis Peine
Peine 23-jährige BMW-Fahrerin war am Montag auf Gegenfahrbahn geraten – Polizeichef appelliert an Autofahrer, sich am Steuer nicht ablenken zu lassen
Noch immer ist die Ursache des tödlichen Unfalls am Montagabend zwischen Schwicheldt und Mehrum nicht vollständig geklärt. Feststeht mittlerweile aber, dass eine 23-Jährige mit ihrem BMW den Unfall verursacht hat. Sie war gegen 19.30 Uhr auf gerader Strecke auf die Gegenfahrbahn geraten und dort mit einem entgegenkommenden Auto zusammengestoßen. Der 59-jährige Fahrer aus Braunschweig verstarb noch an der Unfallstelle.
Im Auto des Braunschweigers saßen drei Frauen – 57, 28 und 16 Jahre alt – zwei wurden schwer, eine leicht verletzt. Sie wurden laut Polizei in die Holwedeklinik nach Braunschweig und das Friederikenstift nach Hannover gebracht.
Die BMW-Fahrerin war in ihrem Fahrzeug eingeklemmt, die Freiwillige Feuerwehr Peine-Schwicheldt hat die Frau schließlich geborgen. Sie wurde in die Medizinische Hochschule Hannover gebracht, ist noch nicht ansprechbar.
Die B 65 war für dreieinhalb Stunden voll gesperrt, der Verkehr umgeleitet. Zur Klärung des Unfallhergangs war ein Sachverständiger vor Ort. Außerdem kümmerte sich ein Notfallseelsorger um mehrere Angehörige, die zur Unfallstelle gekommen waren.
Gerade mal zwei Wochen liegt der tragische Unfall bei Sierße zurück, bei dem zwei Menschen starben. Bereits elf Menschen sind in diesem Jahr auf Straßen im Landkreis Peine ums Leben gekommen, im gesamten Vorjahr waren es grad mal vier.
Auch wenn der Peiner Polizeichef Thomas Bodendiek bei der Präsentation der Verkehrsunfallstatistik schon angedeutet hatte, dass diese geringe Zahl von vier Unfalltoten sicher nicht zu halten sei – diese enorme Steigerung macht ihn doch betroffen. Er sagte gestern auf Nachfrage: „Jeder Tote ist einer zu viel. Unser großes Problem ist aber, dass wir viele Fahrten nicht beeinflussen können. Im Auto bleibt der Mensch.“ Mit Blick auf den Unfall gestern fügte er an: „Die B 65 ist vom Streckenprofil her völlig unspektakulär. Es gab für uns bislang keinen Grund, die Strecke zu überwachen. Es ist sogar eine der Straßen, bei denen man im Vergleich zu anderen gute Sicht hat.“
Bodendiek appelliert daher an alle Autofahrer, „nur ihr Auto zu führen und alles zu unterlassen, was davon ablenkt“. Dazu gehöre sowohl der Griff in den Fußraum wie auch das Telefonieren oder gar SMS-Schreiben mit dem Handy. „Die Dunkelziffer derer, die so Auto fahren, ist hoch“, sagt der Polizeichef und gibt zu bedenken: Die Schnelllebigkeit unserer heutigen Zeit führe eben auch dazu, dass viele am Steuer gehetzt seien und risikobereiter würden.
Was die Polizei dagegen tun kann? „Wir werden den Ermessensspielraum, den wir bei solchen Ordnungswidrigkeiten wie etwa ’das Handy am Ohr‘ haben, in Richtung Bestrafung verschieben.“
Andererseits bleibe natürlich die Geschwindigkeit aus Polizeisicht entscheidendes Thema: „Wir sind froh, dass wir den Landkreis haben, der uns bei den Kontrollen hilft“, betonte Bodendiek und sagte dann nachdenklich: „Bestimmte Verhaltensweisen kann man nur durch Sanktionen erreichen.“



