Stolpersteine erinnern an Opfer des Naziterrors
Schöningen Schöningen ist bundesweit die 797. Kommune mit Stolpersteinen – Die Messingplatten erinnern an vom Naziregime verschleppte und ermordete Bürger.
Vor dem schön sanierten alten Fachwerkhaus Nummer 19 an der Schöninger Beguinenstraße hatte sich am Sonntagvormittag eine Menschenmenge versammelt, die einem besonderen Ereignis beiwohnen wollte. Die Arbeitsgemeinschaft „Stolpersteine für Schöningen“ hatte dieses Ereignis vorbereitet und damit große Beachtung gefunden.
So schauten fast 50 Bürger dem Künstler Gunter Demnig über die Schulter, als er im Fußweg drei mit Messingblech abgedeckte Steine versenkte. In das Blech hatte der Kölner vorher per Hand die Namen Kurt Heinemann, Günter Heinemann und Wolfgang Heinemann sowie einige Angaben zu ihrem Schicksal eingeschlagen. Nur das vorsichtige Klopfen mit dem Gummihammer war jetzt zu vernehmen, es herrschte absolute Stille.
Zuvor hatten im Hauseingang stehend Ann-Kathrin Röhling und Muhsin Mohamud, Schüler aus der Eichendorff-Schule, darüber berichtet, dass Kurt Heinemann, Kommunist und Halbjude im Jahr 1933 nach schwersten Misshandlungen in Rieseberg von den Nazis erschossen wurde. Die Söhne Wolfgang und Günther wurden als „Judenkinder“ nach Hadamar in ein Erziehungslager eingewiesen und sind dort der „Euthanasie“ zum Opfer gefallen. Sie waren erst 12 und 13 Jahre jung, als sie starben. Sie hatten einst in diesem Haus gelebt.
„Wenn man das so hört, geht es einem durch und durch, denn das habe ich bisher nicht so gewusst“, sagte Denise Hinze, Tochter der jetzigen Bewohnerin der Nummer 19. Künstler Demnig wischte die gold-glänzenden Stolpersteine ganz blank, Christiane Willeke-Sonnenbrodt von der Arbeitsgemeinschaft ließ noch einige Blütenblätter auf sie nieder rieseln.
Nur 100 Meter weiter, in der Niedernstraße 8 und 9, hatte Demnig Vorbereitungen für vier weitere Stolpersteine getroffen. Christiane Willeke-Sonnenbrodt erinnerte: „Hier hatten die Kaufleute Hermann und Käthe Probst sowie Emil und Hedwig Probst gewohnt und ein Mode- und Manufakturgeschäft betrieben. Die Ehepaare wurden 1942 in den KZ Piaski, Theresienstadt und Auschwitz ermordet.“
Schöningen sei die 797. Kommune in Deutschland, die jetzt mit diesen Stolpersteinen erinnert, erklärte Gunter Demnig. Die Stolpersteine in der Beguinenstraße und der Niedernstraße sind ebenerdig und keiner kann über sie stürzen. „Man stolpert aber mit dem Kopf und mit dem Herzen“, sagte der Künstler, „wenn wir über sie hinweggehen, wird außerdem die Vergangenheit aufpoliert. Und, wer lesen will, was auf ihnen steht, muss sich vor ihnen verbeugen.“



