Kroll bietet im ehemaligen Supermarkt Raum für Kunst
Helmstedt Helmstedt hat einen neuen Anziehungspunkt für Kunstliebhaber: eine Galerie auf Zeit. Am Samstag wurde sie mit einer Vernissage eröffnet.
Kräftige Farben und eine klare Linienführung treffen auf ineinander fließende, mystisch wirkende Kompositionen - die Ausstellung der Künstler Angel Zhilev aus Helmstedt und Knut Wehlend aus Berlin in der temporären Galerie „Ihr Platz“ bietet viel Spannendes. Etwa 80 Besucher ließen sich diesen kulturellen Leckerbissen nicht entgehen und betrachteten den Gitarrenklängen und russischen Balladen von Sergej Nass lauschend die Ölgemälde.
Uli Kroll hatte die Idee, die derzeit leer stehende Geschäftsfläche in der Neumärker Straße 23 für eine Kunstausstellung zur Verfügung zu stellen. „Ich möchte den Leerstand nutzen, um unsere kulturelle Szene zu beleben“, erklärt Kroll, „wenn unsere Innenstadt untergeht, dann wenigstens mit Stil.“
Das Thema „Kontraste“ fasst in Worte, was Besuchern mit einem Blick auffällt: Zhilev und Wehlend malen ihre Bilder in Öl, die Ausführungen könnten jedoch unterschiedlicher nicht sein. Der ursprünglich aus Bulgarien stammende Zhilev berichtet, er habe schon in frühster Kindheit gemalt. Nach dem Besuch der Kunstakademie in Sofia reiste er in der ganzen Welt umher und ließ sich zunächst stark von surrealistischen Strömungen beeinflussen.. Seine in der Innenstadt präsentierten Werke stammen ausnahmslos aus diesem Jahr. Die gekreuzigte Figur „Im Sand“ ist ein Motiv, das Zhilev seit langem schon immer wieder in den Bann zieht. „Ich richte hier meinen Blick auf das Wesentliche, auf das, was nach einem Sturm übrig bleibt“, erläutert er.
An seinen Arbeiten, die aus zahllosen Mischfarben und einer Pinsel-Spachtel-Technik entstehen, hängt der Künstler nicht, im Gegenteil - sich von ihnen zu lösen, ist ein Teil seiner ständigen Suche nach neuen Impulsen, nach unaufhörlicher Weiterentwicklung.
Starke Farbkontraste und gesättigte Farben erwarten Besucher bei der Betrachtung der surrealistischen Arbeiten Wehlends. „Meine Bilder sind auch für mich immer eine Überraschung“, verrät der Bauingenieur, der im Gegensatz zu Zhilev erstmalig seine Ölmalereien ausstellt. Wie beispielsweise bei „Panta Rhei“ sind die Bildelemente klar abgegrenzt und die Figuren heben sich deutlich vom Hintergrund ab. Wehlends Vorliebe für den geometrischen Bildaufbau ist ein charakteristisches Merkmal einiger Ölmalereien, die gelegentlich – etwa bei „Der Wächter“ – auch recht verspielte Elemente aufweisen.
Die Ausstellung steht Besuchern noch bis zum 8. November täglich von 15 bis 18 Uhr offen. Beide Künstler wünschen sich, dass der vorübergehende Ort der Kunst auch zu einem Treffpunkt wird, an dem Menschen sich austauschen. Kroll schwebt vor, die temporäre Galerie weiterhin als kulturelle Plattform zu nutzen und Highlights für alle Generationen im Stadtkern zu veranstalten - etwa Lesungen, Theaterinszenierungen oder Musikveranstaltungen. Er ist als Ansprechpartner für Vorschläge, Interessierte und Unterstützungen unter der E-Mail-Adresse uli.kroll@freenet.de erreichbar.

