Kammerchor überzeugte mit perfekter Intonation
Schöningen Geistliches Vokal-Finale der Schöninger Orgeltage in der evangelisch-lutherischen St.-Vincenz-Kirche.
Wer den Helmstedter Kammerchor schon kannte, wird sich auf die Abschlussveranstaltung der 18. Schöninger Orgeltage in der St.-Vincenz-Kirche in Schöningen gefreut haben. Wer als Zuhörer diesen Klangkörper noch nicht erlebt hatte, wird die faszinierenden Möglichkeiten kultivierter musikalischer Stimmgebung bestaunt haben.
Perfekte Intonation, vom Chorleiter Andreas Lamken geduldig vorgegeben und eingefordert, kaum vernehmbare Übergänge von Kopf- in Bruststimme und die Skala der Dynamik erweiternd überzeugten. Wechselnde Aufstellungen, um gewünschte Mixturen zu erreichen, kaum hörbares chorisches Atmen während lang ausgehaltener Schlussklänge und – mit Abstrichen – genaue Textdeklamation bot der Klangkörper. Letztlich war viel Kraft erforderlich, um ein fast zweistündiges Programm mit kaum nachlassender Spannung durchzustehen: Diese Qualitäten haben den Abend zu einem unvergesslichen Chorerlebnis werden lassen.
Das Zentrum der Programmfolge bildeten der „Vater unserer deutschen Musik“– so ein Zeitgenosse Heinrich Schütz‘– mit seinem Chorlied „Die mit Tränen sähen“ und eine popularmusikalische ,sehr ansprechende Bearbeitung Andreas Lamkens mit Motiven aus Bachs Kantate „Wachet auf“(BWV 140).
Hochromantisch dagegen der Beginn, der dem süddeutschen Komponisten Josef Gabriel Rheinberger (!839-1901 gewidmet war: Seine drei geistlichen Gesänge, op. 69, sowie die Messe in Es beeindruckten durch harmonische Kühnheiten.
Auch die jungen Komponisten des späten 20. Jahrhunderts Morton Lauridsen, Brian Schmidt und Simon Wawer können mit ihren Requiem-Auszügen einer neoromantischen Bewegung zugerechnet werden.
Um den Sängern und Sängerinnen eine Pause zu geben, intonierte Matthias Laidler an der Orgel eine wirkungsvolle Folge von vier Versen des Chorals „Ein feste Burg“ nebst Vor- und Nachspiel.
Das voll besetzte Auditorium honorierte die Leistungen mit langanhaltendem Beifall und wurde mit der Vertonung des 100. Psalms von Mia Makarow, einer lettischen Komponistin, belohnt.



