Gemeinde will demenzfreundlich werden
Lehre Hat die alte Frau die Zahnpasta absichtlich nicht bezahlt? Oder steckt etwas ganz anderes dahinter?
Einen solchen Fall hat es in der Gemeinde Lehre tatsächlich gegeben. „Die Dame bekam Hausverbot im Supermarkt. Es stellte sich jedoch heraus, dass sie an Demenz erkrankt ist“, schildert Uljana Klein, Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde.
„Demenzerkrankungen nehmen zu, die Bevölkerung wird immer älter. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, uns bei der Robert-Bosch-Stiftung für ein Projekt zu bewerben“, erklärt Klein. „Demenzfreundliche Gemeinde Lehre“ heißt das Projekt, das, wenn es mit der Förderung klappt, im März 2013 starten soll.
Gemeinsam mit dem Alten- und Pflegeheim Haus Wartburg hat die Gleichstellungsbeauftragte den Antrag gestellt, auf rund 15 000 Euro schätzen Klein und Birgit Brendes, Leiterin des Alten- und Pflegeheims, die Kosten. Geplant ist ein lokales Bündnis, das aufklären, informieren und schulen möchte. „Wir wollen möglichst viele Menschen in unserer Gemeinde erreichen und über Demenz aufklären“, schildert Uljana Klein die Intention des Projektes. So sollen unter anderem in fünf Phasen unterschiedliche Gruppen geschult werden: Amtsträger, Menschen aus öffentlich zugänglichen Einrichtungen, ehrenamtlich Verantwortliche und Kita- sowie Schulkinder. Im fünften Schritt sollen Ehrenamtliche geschult werden, die dann später Ansprechpartner sein sollen, um das Projekt auch über den August 2014 hinaus zu sichern.
„Wir wollen in Tagesseminaren nicht nur Grundinformationen über Demenz vermitteln, sondern an praktischen Beispielen die Bilder der Demenzerkrankungen vermitteln. So soll genug Hintergrundwissen für den Umgang mit Erkrankten erworben werden“, betont die Gleichstellungsbeauftragte.
Zum Praxiswissen gehören übrigens auch ganz spezielle Fragetechniken, die dem geschulten Fragenden schnell zeigen, ob sein Gegenüber an einer Demenzerkrankung leidet.
Ob im nächsten Jahr das Projekt „Demenzfreundliche Gemeinde Lehre“ startet, wird in den nächsten Wochen entschieden. Klappt es, „gelingt es uns vielleicht, die Menschen in der Gemeinde für dieses Thema zu sensibilisieren“, hofft Klein.



