Fotos und Filme erinnern an Ära der BKB-Ferienlager
Schöningen Mehr als 200 Teilnehmer kamen zum Treffen im Schöninger Schloss, um Rückschau auf die 34 Jahre währende Ära der BKB-Ferienlager zu halten.
Dass Ferienzeltlager im Gedächtnis der meisten Menschen haften bleiben, ist keine neue Erkenntnis. Wenn aber eine Erinnerungsveranstaltung wie am Sonnabend mehr als 200 Besucher in den Herzoginnensaal des Schöninger Schlosses lockt, dann müssen diese Camps schon etwas ganz Besonderes gewesen sein.
Gemeint sind die Ferienlager der einstigen BKB, die das Braunkohle fördernde und Strom erzeugende Unternehmen in den Jahren 1949 bis 1985 für die Kinder seiner Mitarbeiter organisiert hat. Es müssen logistische Meisterleistungen gewesen sein, die riesigen Zeltstädte für jeweils bis zu 400 Kinder mitten in der Natur aufzubauen.
Ob Wolfshagen im Nordharz, Norderney, Fehmarn oder der Fichtelberg – die Reiseziele für die Kinderverschickung (wie man anfangs in den Nachkriegsjahren sagte) waren mit Sonderzügen relativ schnell erreichbar. Und obwohl die Urlaubsorte aus heutiger Sicht nicht exotisch klingen, bedeuteten sie doch für Generationen von Kindern und Jugendlichen jede Menge Abenteuer und erste Schritte in die Selbstständigkeit.
So trafen sie sich nun wieder zum Austausch von Gedanken und Erinnerungen, schauten sich Berichte, Bilder und Filme an, die im Lauf der Jahrzehnte entstanden sind. Die Berge von Milchnudeln und Stullen, wie sie einst in den Zeltlagern verteilt wurden, gab es diesmal nicht, wohl aber die Pummelchen genannten Rosinenbrötchen und Erbsensuppe aus dem großen Topf.
Die Organisatoren dieses Treffens, Claudia Felgenträger und Christian Berger, hatten gegenüber den Gastrednern noch etwas Aufklärungsarbeit zu leisten. Doch im Saal wusste jeder, wovon Kraftwerksleiter Helmut Wensing und der Schöninger Ratsvorsitzende Siegfried Pause redeten, als sie den Lagerzirkus, Seeschlachten oder den „Norderney-Achter“ (einen selbst gezimmerten Donnerbalken, also Latrine) erwähnten.
„Das müssen Erlebnisse gewesen sein, die man nie vergisst“, mutmaßte Wensing, der erst nach der Ära der Ferienlager zum Unternehmen kam. „Zum Einüben sozialer Verhaltensweisen sind solche Camps ideal“, legte Siegfried Pause nach. Auch gegen die zunehmende Bewegungslosigkeit unserer heutigen Jugend wären Zeltlager ein geeignetes Mittel.
Redner wie Zuhörer zweifelten aber sehr wohl daran, dass sich das Rad der Geschichte einfach zurückdrehen ließe. Toiletten ohne Wasserspülung, kilometerlange Wanderungen und die Abkopplung vom Internet, was es damals ja noch gar nicht gab, wären heute wahrscheinlich eher abschreckende Bedingungen.
