Ein Lyriker, der Brücken schlagen möchte
Helmstedt Der Helmstedter Lehrer Johann Voß hat einen neuen Gedichtband veröffentlicht – Eine Lesung daraus ist am 20. Dezember im Julianum geplant.
„Sprache ist Melodie der Seele, immer auf dem Weg zu ihrer Vervollkommnung.“ Allein dieser Satz, geschrieben von Johann Voß, könnte eines seiner Gedichte sein. Ist es aber nicht. Er bringt ihn in einem Aufsatz über „Provokation und Tradition in der modernen Lyrik“ und erklärt damit, was ihn seit der Jugendzeit zum Verfassen von Gedichten antreibt: die Suche nach Wahrhaftigkeit.
Nun hat der Helmstedter Gymnasiallehrer einen neuen Gedichtband herausgebracht. „Die Mitte ist die andere Seite“ (erschienen beim Verlag Die Werkstatt) heißt der Titel und bezeichnet zugleich ein Kapitel, in dem er die zerstörerische Kraft von Krieg, Gewalt und Zensur anprangert.
Thematisch ist die Sammlung wenig eingegrenzt. Johann Voß kämpft mit den Mitteln des Literaten gegen Terror, Rechtsradikalismus oder Rowdytum, folgt mahnend den Spuren des Holocaust oder wettert gegen Ignoranz und Allmacht der Altherren-Führungsriege in der früheren DDR.
Den politischen Botschaften, harmonisiert und rhythmisiert in Gedichtversen, stellt Johann Voß in weiteren Kapiteln höchst private Wahrnehmungen, Gefühlsaufwallungen der Jugendzeit und Kindheitserinnerungen gegenüber.
Inspiration für das Spiel mit Worten sind Beobachtungen und Recherche – dazu gehören auch Gespräche mit Zeitzeugen – sowie Lieder, aus denen er gern auch zitiert. Die Ballade „Suzanne“ von Leonard Cohen ist ihm so ans Herz gewachsen, dass er sie – ins Deutsche übersetzt – für seinen Gedichtband verwendet hat.
Zur Präsentation der Sammlung, die am Donnerstag, 20. Dezember, ab 19 Uhr im Helmstedter Julianum geplant ist, hat er sich etwas Besonderes einfallen lassen: Weggefährten werden die Gedichte vortragen und sollen sie mit eigenen Assoziationen bereichern. „Ich bin sehr gespannt darauf“, sagt Voß und fügt hinzu: „Mit meinen Gedichten möchte ich nichts vorgeben, lediglich die Menschen zum Nachdenken anregen und damit eine Brücke zu ihnen schlagen.“ Auch Widerspruch sei erwünscht.


