Bürgermeister im Interview: Bilanz nach einem Jahr im Amt
Königslutter Sparmaßnahmen, Weiterentwicklung des Gewerbegebiets Ochsendorf, Jugendangebote – die Liste der in Königslutter notwendigen Maßnahmen ist lang.
Herr Hoppe, ein Jahr sind Sie nun Bürgermeister, wie haben Sie die Zeit erlebt?
Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, wo die Zeit geblieben ist. Ich habe noch nicht eine Stunde bereut und freue mich auf die Aufgaben, die totale Abwechslung bieten.
Ist es anders, als Sie es sich vorgestellt haben?
Einiges schon. Am Anfang musste ich viel dazulernen und muss es natürlich auch weiter, unter anderem, dass manche Vorgänge länger brauchen, als ich das gerne hätte.
Zum Beispiel?
Wenn ich Gespräche mit Wolfsburg zu unserem gemeinsamen Gewerbegebiet Ochsendorf führe, wäre ich gerne einen Schritt schneller. Aber die einzelnen Verfahrensschritte wie Flächenplan- oder Bauplanänderungen brauchen eben ihre Zeit.
Wie steht es denn um das Gewerbegebiet? Sie haben bereits mehrfach betont, dass es dort konkrete Interessenten gäbe.
Ein Grundstücksverkauf wird jetzt konkret, aber zu dem Unternehmen möchte ich noch keine näheren Angaben machen. Wie konkret weitere Ansiedlungen werden, das müssen wir im Moment noch abwarten.
Die Weiterentwicklung des Gewerbegebiets soll der hoch verschuldeten Stadt mehr Gewerbesteuer-Einnahmen bescheren. Hört sich bisher aber nach einem zähen Geschäft an. Wurde da in der Vergangenheit auch einiges verschlafen?
Das Gebiet müssen wir voranbringen. Dass viele Dinge zunächst hinter verschlossenen Türen geregelt werden müssen, der Prozess für die Öffentlichkeit so nicht wahrnehmbar ist, ist wahrscheinlich logisch. Auch in der Vergangenheit wurden einige Dinge angeschoben, die aber nicht abgeschlossen wurden. Jetzt wird es Zeit für eine konkrete Umsetzung.
Ist dieses gemeinsame Gewerbegebiet von Königslutter und Wolfsburg auch als Vorgriff auf eine mögliche Fusion zwischen dem Landkreis Helmstedt und Wolfsburg zu sehen?
Nein. Es ist ja aufgrund der direkten Nachbarschaft entstanden, so wie auch der Zweckverband Grundschule Hasenwinkel.
Sind die Verhandlungen mit Wolfsburg richtig?
Für unsere Region wäre es der richtige Partner. Wir haben zwar auch Berührungspunkte mit Braunschweig, weshalb ausschließliche Verhandlungen mit Wolfsburg nicht der richtige Weg wären.
Dennoch ist eine große Nähe in die Richtung gegeben, alleine dadurch, dass viele dort arbeiten, um ein einfaches Beispiel zu geben. Für mich lautet das Motto: Das eine machen, das andere aber nicht lassen.
Wie könnte am Ende ein Konstrukt Helmstedt/Wolfsburg aussehen?
Ich denke, da sind wir alle gut beraten, wenn wir das in Auftrag gegebene Gutachten abwarten. Einfach um zu sehen, was überhaupt möglich wäre. Die Vorschläge müssen dann in Ruhe mit der Bevölkerung diskutiert werden. Ich schließe zunächst nichts aus. Aber egal, um welches Konstrukt es sich am Ende handeln wird, es geht nicht anders, als dass es in den zentralen Orten wie Königslutter auch künftig Verwaltungsstellen geben wird. Das muss für die Bürger gewährleistet sein.
Sie betonen immer wieder, dass Ihnen Bürgerbeteiligung wichtig ist, auch beim Thema Fusion. Aber wird hinter den Kulissen nicht schon sehr viel festgezurrt, worauf die Bürger eigentlich keinen Einfluss mehr nehmen können?
Es muss doch erstmal eine vernünftige Grundlage geben, bevor ich etwas zur Diskussion stelle. Es wäre dem ganzen Prozess sonst nicht zuträglich. In diesem Zusammenhang finde ich es übrigens auch wichtig, dass die Interkommunale Zusammenarbeit weiter vorangetrieben wird. Bis wir möglicherweise fusionieren, wird es noch einige Jahre dauern, und so lange laufen die Geschäfte ja weiter. Ich glaube nicht, dass wir in naher Zukunft einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen können. Deshalb müssen wir weitere Wege zum Sparen ausloten.
Aktuell wird in diesem Zusammenhang die Schließung des Freibads diskutiert. Ihr Vorstoß hat die Politik überrascht.
Ich habe dieses Thema bewusst angeschoben, um am Ende für den größten Teil des Jahres einen Schwimmbadbetrieb erhalten zu können. Entscheiden wir nichts, werden wir uns bald über eine komplette Schließung unterhalten müssen. Es ist nun mal so: Wir haben in den vergangenen Jahren mehr als 50 Einzelmaßnahmen angeschoben, von der Einsparung der Rathausbepflanzung bis hin zu Personalabbau. Das heißt, wir haben schon in allen Bereichen gespart.
Wie spart man, ohne sich am Ende kaputt zu sparen?
Es ist schwierig, den richtigen Weg zu finden. Einiges kann man durch Vereine und Ehrenamt auffangen, aber auch das hat seine Grenzen. Die Kunst ist es, in allen Bereichen einzuschränken, aber so, dass zum Beispiel noch Angebote im Kultur- und Sportbereich erhalten bleiben.
Wie lautet Ihre persönliche Bilanz?
Ich bin zufrieden, unter anderem auch mit der Neuorganisation der Verwaltung. Das hat zwar einiges durcheinandergewirbelt, aber jetzt nehmen wir Fahrt auf. Natürlich gibt es noch einiges zu tun. Einigen Themen wie Haushalt werden wir uns weiterhin widmen müssen. Aber ich will das Thema Angebote für Jugendliche anschieben, da haben wir ein großes Defizit.


