Argumente für und gegen den Euro vorgetragen
Helmstedt Ein Streitgespräch über die Zukunft des Euros zwischen zwei Wirtschaftsprofessoren gab es während der 1. Ringvorlesung im Helmstedter Juleum.
Bei dieser Diskussion in der Aula der ehemaligen Helmstedter Universität wurde deutlich, wie spannend und unterhaltend Wirtschaft sein kann. Professor Dr. Stefan Homburg vom Lehrstuhl für Finanzwissenschaft der Universität Hannover vertrat die Auffassung „die Reißleine so schnell wie möglich zu ziehen und zu nationalen Währungen zurückzukehren.“ In der Geschichte hätte es noch nie eine Währungsunion ohne eine politische Union gegeben, die nicht gescheitert sei. Doch wie könnte sich eine Währungsunion auflösen? In seinem Statement erläuterte er, dass in der Geschichte meist die Stärkeren ausgetreten seien. „Deutschland sollte austreten“, lautete somit seine These.
Professor Dr. Karl-Heinz Paqué, Lehrstuhl für internationale Wirtschaft an der Universität Magdeburg, ist der Auffassung, dass man die Währungsunion nicht ohne „gewaltigen Schaden“ auflösen könne. Alle Errungenschaften, die seit den 50er-Jahren für ein vereintes Europa geschaffen wurden, müssten für lange Zeit eingestellt werden. „Das ist wirtschaftlich hoch gefährlich und politisch noch gefährlicher.“ Er sprach beispielhaft von Schlagbäumen zwischen Deutschland und Frankreich, Zöllen, Aufhebung der Freizügigkeit und Parallelwährungen.
Paqué verkennt die massiven Probleme um den Euro nicht. „Es ist vieles schief gelaufen“, stimmt er Homburg zu. Er warnte allerdings davor, den Euro scheitern zu lassen. Stattdessen fordert der ehemalige Finanzminister des Landes Sachsen-Anhalt grundlegende Reformen in den schwächelnden Euro-Ländern. „Dieser Weg ist kein Zuckerschlecken“, beschrieb er die Lage.
Homburg ging in seiner Argumentation sogar noch einen Schritt weiter: Die EU würde eher stärker werden, wenn der Euro als „überzogenes Integrationsmittel“ zurückgenommen werden würde. Er sieht die Angst vor der Aufdeckung der tatsächlichen wirtschaftlichen Situation des Euros als Hauptgrund dafür, am Euro festzuhalten. „Wenn der Euro scheitern würde, würde der Skandal aufgedeckt werden.“ Aber für die Bevölkerung wäre ein schnelles Ende besser.
Paqué hielt dagegen, dass die Folgen eines Scheiterns, dieses „gigantischen gemeinsamen Projektes“ überhaupt nicht abzuschätzen seien. „Das ist im Moment alles nur Spekulation.“
Joachim Weimann, Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität Magdeburg und verantwortlich für das MBA-Studium an der Universität Helmstedt, initiierte diese Ringvorlesung.
