Richter: Es ist so brutal, man kann es sich nicht vorstellen
2012-02-22T20:20:29+0100Gifhorn Prozessauftakt wegen versuchten Mordes am Landgericht Hildesheim
Nur eine Notoperation rettete das Leben eines 34-jährigen Gifhorners. Zuvor hatten ihn zwei Männer brutal misshandelt und durch einen Messerstich lebensgefährlich verletzt haben. Seit gestern stehen die Angeklagten vor dem Landgericht Hildesheim.
Versuchter Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung lautet die Anklage der Staatsanwaltschaft im Prozess gegen einen 19-jährigen Gifhorner und einen 56-jährigen Mann aus der Samtgemeinde Calberlah. „Das war eine gemeinschaftliche und vorsätzliche Tat aus niedrigem Beweggrund“, war sich gestern Staatsanwalt Markus Brandt zu Beginn der Beweisaufnahme sicher.
Für Brandt steht fest: Die beiden alkoholisierten Männer malträtierten demnach das 34-jährige Opfer im Oktober 2011 durch Fausthiebe und Fußtritte ins Gesicht. „Der 19-Jährige zertrümmerte zudem mindestens zehn leere Bierflaschen auf dem Kopf des Geschädigten.“ Gleichfalls schlug der Jüngere dem Opfer eine Bratpfanne auf den Kopf, bis diese verbeulte.
Rund drei Stunden dauerte das Martyrium des Opfers. Immer wieder suchten die beiden Angeklagten ihr Opfer in dessen Wohnung im Gifhorner Hüttenweg auf. Der 19-Jährige – er räumte die ihm zur Last gelegte Tat ein, erinnerte sich in der Hauptverhandlung indes nicht an Einzelheiten – rammte zu guter Letzt dem Opfer ein 20 Zentimeter langes japanisches Küchenmesser unter der rechten Brustwarze etwa 12 Zentimeter tief zwischen die Rippen. Ein dritter, 36-jähriger Angeklagter, dem die Staatsanwaltschaft unterlassene Hilfeleistung vorwirft, rief erst dann und auf Bitte des Opfers einen Rettungswagen.
Nach dem Messerstich ließen die Beiden von ihrem Opfer ab. Der 19-Jährige bekam nach eigenen Angaben Angst, er könne den Geschädigten getötet haben und flüchtete daraufhin per Bahn nach Hennef. Dort wurde er festgenommen. Als Tatmotiv gab er bei der Polizei an, das Opfer sei homosexuell und er hasse nun einmal Schwule.
Auch der 56-Jährige konnte sich an die Tat nicht richtig erinnern. Er habe dem Opfer zwar ein paar Ohrfeigen gegeben, keineswegs aber mit einer Bierflasche zugeschlagen. Im Verlauf der Verhandlung räumte er jedoch auch Fausthiebe ein.
Der Dritte im Bunde hatte gleichfalls Erinnerungslücken. Der 36-Jährige hielt aber nach seinen Angaben den 19-Jährigen immer wieder von weiteren Attacken ab. „Da wird ein Mensch geopfert und Sie versuchen, das alles zu verharmlosen“, erboste sich Richter Volker Heckemüller. „Das ist alles so brutal, man kann es sich gar nicht vorstellen.“ Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.




