Wolfsburger Disco will Braunschweigs Nachtschwärmer locken
Braunschweig Mit dem Shuttlebus in die Disco nach Wolfsburg? Die Braunschweiger Partyszene reagiert gelassen auf das Angebot eines Disco-Busses.
Es klingt erst einmal wie ein Affront: Braunschweigs junges Partyvolk soll via Shuttlebus nach Wolfsburg in die Disco gefahren werden. Die Wolfsburger Großraumdisco „Airport“ plant ab März freitags eine vierwöchige Testphase, um den Service zu erproben. Zwei Bustouren abends hin, zwei Touren in der Nacht zurück.
Muss die Braunschweiger Clubszene nun um seine Gäste fürchten? Gibt es in der Stadt nicht genügend Angebote?
Der Braunschweiger Discobetreiber Oliver Strauss, dem neunClubs und Bars in der Stadt gehören, nimmt die Nachricht gelassen auf. „Das Angebot wird unsere Gäste nicht betreffen – das ,Airport‘ hat eine ganz andere Zielgruppe als wir.“
Die Wolfsburger Großraumdisco spezialisiere sich demnach eher auf jüngere Leute, veranstalte viele U-18-Partys. „Wenn jemand die Disco gut findet, hätte er die letzten Jahre auch anders hinkommen können.“
Das sieht „Airport“-Betreiber Thomas Soerjadi anders: „Unsere Braunschweiger Besucher haben zwar die Möglichkeit hinzukommen, aber die Rückreise aus Wolfsburg ist oft ein Problem.“
Denn bei den U-18-Partys seien oft genügend Fahrer das Problem: Die Jugendlichen könnten zwar mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Wolfsburg kommen, aber nachts nicht wieder zurück.
Der Shuttlebus biete jugendlichen Nachtschwärmern aus Braunschweig die Möglichkeit, nachts auch wieder sicher nach Hause zu kommen.
„Die Braunschweiger Jugendlichen sind ohne das Jolly Joker heimatlos. Seit die Großraumdisco geschlossen hat, gibt es nur noch eine in der Region – und das ist unsere“, erklärt Soerjadi seine Idee. Zunächst soll ein Reisebus für vier Wochen angemietet werden, eine Begleitperson der Disco fährt bei jeder Tour mit. „Ich glaube nicht, dass es Randale in dem Bus geben wird. Wir wissen auch nicht, wie viele Leute mitfahren werden. Wir wollen erst einmal Erfahrung sammeln“, sagt der „Airport“-Betreiber.
Die Braunschweiger Polizei hält die Idee für grundsätzlich gut. Sprecher Wolfgang Klages erklärt den Grund: „Disco-Unfälle passieren nicht nur durch Alkohol. Oft führen Imponiergehabe, Überheblichkeit und Übermüdung zu Unaufmerksamkeit des Fahrers.“ Für die Verkehrssicherheit sei ein Bus mit geschultem Fahrer ein Plus.
Online-Stimmen unserer Leser bemängeln die Nachtbus-Situation in Braunschweig. Christopher Graffam, Sprecher der Verkehrs-AG, erinnert sich an einen Nachtexpress in den 1990er Jahren. „Dieses Nachtbus-Angebot hat sich nicht rentiert für uns. Es gab nicht genug Bedarf.“
Am Wochenende fahren die Hauptlinien bis zwei Uhr nachts. Zeitliche Erweiterungen seien derzeit nicht geplant.
