Windkraft-Prüfung für Mascherode dauert länger
Braunschweig Entscheidung zu möglicher Windkraft-Anlage nahe Mascherode fällt erst 2013 – Im Bezirksrat sind die Meinungen geteilt
Eine Bürgerinitiative gegen eine mögliche Windkraftanlage südlich von Mascherode hat sich bereits gegründet (wir berichteten). Und auch die Meinungsbildung in den politischen Gremien ist bereits fortgeschritten.
Derweil kündigt der planende Zweckverband Großraum Braunschweig (ZGB) an, dass sich die Prüfung des Standorts bis März 2013 verlängere.
Jens Palandt, Leiter der Abteilung Regionalplanung beim ZGB, erläutert: „Jede Potenzialfläche wird genaustens geprüft. Es gibt rund 50 Kriterien.“ Die derzeit in der Prüfung befindlichen Potenzialflächen im offenen Land hätten auf ZGB-Gebiet eine Gesamtfläche von rund 20 000 Hektar. Davon sollten am Ende etwa 3000 bis 4000 Hektar für Windkraftanlagen genutzt werden. Dadurch würde das Ziel realisiert, die bisherige und auf 34 Standorte verteilte Fläche bis 2020 zu verdoppeln. Dies sei ein erster Schritt auf dem Weg zur 100-Prozent-Erneuerbare-Energien-Region, die bis zur Jahrhundertmitte erreicht sein soll.
„Windkraft ist nicht emissionsfrei. Aber sie wird von der Bevölkerung überwiegend akzeptiert“, sagt Palandt. Er habe sich bereits in über 70 Bürgersitzungen dem Diskussionsprozess gestellt. Argumente von Bürgerinitiativen nehme er ernst. „Aber es reicht nicht, nur zu sagen: Windkraft ja, aber nicht in meiner Nähe“, erklärt Palandt.
Angelika Fietzke-Hollbach von der CDU-Fraktion des Bezirksrats betrachtet das Vorhaben jedoch kritisch. Allgemein sei der Windkraftausbau aufgrund mangelnder Speichermöglichkeiten keine Lösung der Energiefrage.
Negative Aspekte wie die Geräuschkulisse, Schattenwurf und die Störung des Ökosystems seien zu bedenken. Den konkreten Standort nahe Mascherode hält Fietzke-Hollbach für ungeeignet. „Mascherode ist eine kleine Perle von Braunschweig. Da hätte ich den Bau einer Golfanlage schon sinnvoller gefunden“, sagt sie.
Achim Weitner von Pein von den Grünen und zugleich stellvertretender Bürgermeister sieht die Sache weniger kritisch. „Ich stehe einer Anlage an diesem Standort nicht grundsätzlich kritisch gegenüber“, erklärt er. Einige negative Begleiterscheinungen von Windkraftanlagen würden heute nicht mehr so ausgeprägt sein wie früher. Die Anlagen seien viel leiser als früher.
Durch technische Innovationen seien Problematiken wie Schattenwurf in den Griff zu bekommen. Graue Anlagen fügten sich besser in die Landschaft ein als weiße. In jedem Fall sei es wichtig, in einen Dialog mit den Bürgern einzutreten. Jürgen Reuter von der BIBS-Fraktion verweist auf die immerhin 1000 Meter Abstand zur Wohnbebauung, sagt aber auch: „Man sollte sich nicht nur auf Windkraft versteifen. Schließlich gibt es auch in unserem Bezirk Alternativen wie beispielsweise Photovoltaikprojekte.“
Bezirksbürgermeister Jürgen Meeske war in den vergangenen Tagen für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Jutta Heinemann wollte als Vorsitzende der SPD-Fraktion kurzfristig nicht zu der Thematik Stellung nehmen.



