Willy-Brandt-Platz – SPD-Fraktionschef tadelt die Volksbank
Braunschweig Soll der Berliner Platz in Willy-Brandt-Platz umbenannt werden? Der Vorschlag von Oberbürgermeister Gert Hoffmann hat eine Diskussion losgetreten.
Wie wird der Platz am Hauptbahnhof künftig heißen? Der Bezirksrat Viewegs Garten-Bebelhof ist in dieser Frage allein am Zug. Am Ende aber sollte das Wort der rund 140 Eigentümer und Mieter am Berliner Platz zählen, ob sie ihre Adresse behalten oder doch lieber am Willy-Brandt-Platz wohnen möchten. Sagt Manfred Pesditschek, der Chef der SPD-Fraktion im Rat.
„Prinzipiell ist es eine Entscheidung politischer Gremien und nicht der Anwohner, wie ihre Straße heißt. Aber wir werden sie selbstverständlich einbinden“, meint Pesditschek. „Wenn die überwiegende Mehrheit eine Umbenennung nicht will, sollte man ihr auch nicht aufdrängen, an einem Platz zu leben, der den Namen eines Friedensnobelpreisträgers trägt.“ Natürlich hofft er, dass es anders kommt. Der SPD-Fraktionschef hat ausdrücklich die privaten Anlieger im Blick. „Die Entscheidung kann nicht von der Meinung der Bahn abhängig gemacht werden.“
Oberbürgermeister Gert Hoffmann hatte Donnerstag eine Diskussion losgetreten mit seinem Vorschlag, den Berliner Platz in Willy-Brandt-Platz umzubenennen. Pesditschek lobt den Vorstoß gestern, spricht von einem repräsentativen Ort, um die SPD-Größe Brandt im Jahr des 100. Geburtstags zu würdigen. „Wir bauen ja nicht oft einen angemessenen Platz neu, deshalb bietet sich nur ein bestehender Platz wie dieser an.“
Als Ideenklau möchte Pesditschek Hoffmanns Vorstoß keinesfalls verstanden wissen, wenngleich die SPD wiederholt vergeblich einen Willy-Brandt-Platz im städtischen Straßenregister verewigt haben wollte. Er sei eingeweiht gewesen in Hoffmanns Absichten – im Gegensatz zu Braunschweigs SPD-Chef Christoph Bratmann, der von der Redaktion von den Plänen erfuhr.
Die Debatte außerhalb der politischen Entscheidungszirkel hat Fahrt aufgenommen. In den Nutzer-Kommentaren auf der Internetseite unserer Zeitung überwiegt Ablehnung. An einer nicht-repräsentativen Online-Abstimmung beteiligten sich bis gestern Abend 600 Leser – drei Viertel sagten Nein zum neuen Namen.
Ein Politikum, das der SPD-Fraktionsvorsitzende offenkundig nicht weiter anheizen will. Dass Hoffmann in der Begründung zu seinem Vorschlag Brandts Kanzlerschaft sowie den Nobelpreis auffällig ausblendete und allein auf dessen Berliner Bürgermeister-Zeit abhob, empfindet Pesditschek keineswegs als kritikwürdig. „Man muss nicht gleich den ganzen Lebenslauf aufschreiben, um Willy Brandt gerecht zu werden. Die Berliner Zeit ist auch ein bedeutender Teil seiner Lebensleistung. Und ich kann gut nachvollziehen, wenn Herr Dr. Hoffmann als gebürtiger Berliner seine persönlichen Erfahrungen hier anführt.“
Die Schärfe spart sich Pesditschek für eine Abrechnung mit Volksbank-Vorstand Mark Uhde auf. Der hatte erklärt, die Willy-Brandt-Variante sei wie ein Tritt vors Schienbein von nicht sozialdemokratisch-orientierten Bürgern. „Eine solche Unverschämtheit hätte ich dieser Bank nicht zugetraut. Hätte ich dort ein Konto, müsste ich es kündigen.“

