Was macht Facebook so wichtig?
Braunschweig Von der Oskar-Kämmer-Schule ausgebildete Betriebswirte befragten für ihre Studie mehr als 650 Menschen
Ein Leben ohne das soziale Netzwerk? Undenkbar für 24 Prozent Facebook-Nutzer, die von heutigen Betriebswirten im Rahmen ihrer Weiterbildung an der Oskar-Kämmer-Schule befragt wurden.
Insgesamt interviewten sie 659 Menschen aus der Region in ihrem Marktforschungsprojekt, geleitet von Ökonomin Petra Strohmann. 474 nutzten das soziale Netzwerk – 185 nicht. Hauptfragestellung war: Was macht Facebook so wichtig?
Bei der Umfrage an einigen Schulen der Region und vor den Schlossarkaden ist herausgekommen, dass die wichtigste Facebook-Funktion für die Nutzer das Nachrichtenlesen ist (24 Prozent), dicht gefolgt von den Neuigkeiten, die die Freunde posten (21 Prozent). Auf Platz drei: Chatten (17 Prozent).
Zeitbedarf: Im Durchschnitt rund 2,5 Stunden täglich
Eine Zahl, die die Betriebswirte ermittelt haben und sie besonders stutzig gemacht hat: Durchschnittlich nutzten die befragten Facebook-User das soziale Netzwerk zweieinhalb Stunden – täglich. „Wir waren sehr überrascht“, sagt Kaufmann Michael Bötticher. 116 Facebook-Mitglieder machten allerdings keine Angaben zur Nutzungsdauer.
Das sind die Anzeichen für eine „Facebook-Sucht“
Schnell kam die Frage auf, erzählt Lehrerin Petra Strohmann, ob Facebook eigentlich „süchtig“ mache. Um dem nachzugehen, hat sich die Gruppe bei der Drogenberatung informiert. Sie haben dabei Anzeichen für eine mögliche „Facebook-Sucht“ herausgearbeitet:
•Du checkst mehrmals am Tag deinen Account ohne Grund?
•Du chattest mehrere Stunden am Tag mit deinen Freunden, anstatt dich real zu treffen?
•Du lässt alle ständig an deinem Leben via Statusnachrichten teilhaben?
•Du hast mehr als 500 Freunde?
•Du bist online, obwohl du eigentlich arbeiten müsstest oder etwas anderes zu tun hast?
•Du verbringst ungern einen Tag ohne Facebook, weil du dann das Gefühl hast, nicht mehr auf dem Laufenden zu sein?
Die ehemaligen Marketingschüler und Petra Strohmann wünschen sich, dass Lehrer im Unterricht ihre Ergebnisse mit den Schülern besprechen. An einige der teilnehmenden Schulen hat Strohmann die Unterlagen des Marktforschungsprojekts bereits geschickt.
„Ich glaube, dass viele Schüler gar nicht wissen, was sie da bei Facebook tun und was sie dort für Angaben lassen. Lehrer sollen die Jugendlichen sensibilisieren, sie zum Nachdenken bringen“, sagt Bötticher.
Er selbst ist kein Mitglied bei Facebook. „Ich habe Angst um meine persönlichen Daten“, sagt er. Für 44 Prozent der 185 Befragten, die angaben, keinen Account in dem sozialen Netzwerk zu haben, war das ebenfalls der Grund, nicht wie so viele im sozialen Netzwerk dabei zu sein.
Ökonomin Strohmann hat im Oktober eine Klasse übernommen, mit der sie wieder ein Marktforschungsprojekt gestartet hat. Das beackerte Feld bleibt dasselbe: Facebook. Jetzt wird untersucht, wie Unternehmen das soziale Netzwerk nutzen.

