Über Comics die Liebe zu Japan entdeckt
Braunschweig Über Mangas hat die 18-jährige Melanie Webel aus Volkmarode ihre Liebe zu Japan, den Menschen dort, zu ihrer Sprache und Kultur entdeckt.
Sie ist eine von nur zwei Schülern aus ganz Niedersachsen, die es mit ihren Japanisch- und Chinesischkenntnissen in das Finale des bundesweiten Ostasienwettbewerbs geschafft hatten, der kürzlich in Wolfsburg stattfand: Melanie Webel aus Volkmarode.
Wie kommt eine junge Frau dazu, ausgerechnet Japanisch zu lernen? Und das ohne Lehrer, nur mit Hilfe von Büchern, Filmen und Songtexten? Ihre Faszination von Japan, der Kultur und den Menschen ist so groß, dass sie sogar ans Auswandern denkt. Melanie Webel muss weit ausholen und erzählt: „Es fing an, als ich fünf oder sechs Jahre alt war. Da habe ich unheimlich gerne Animes geschaut.“ Animes – das sind japanische Zeichentrickfilme wie Pokémon oder Sailer Moon. „Später, als ich lesen konnte, habe ich mich dann mit Mangas beschäftigt, japanischen Comics.“
Sie begann, selbst zu zeichnen und sich Verkleidungen zu basteln. „Cosplay“ nennt sich der Verkleidungstrend, der in den 90ern auch nach Europa kam: Die Teilnehmer stellen einen Charakter aus Manga, Anime, Computerspiel oder Film so originalgetreu wie möglich dar.
Die 18-Jährige beschreibt das so: „Man bestellt sich im Internet Perücken, Schuhe, Kontaktlinsen und sonstige Accessoires, näht und bastelt die Kostüme aber selbst.“ Ihr macht es bis heute großen Spaß, sich mit Gleichgesinnten zu treffen, Szenen nachzustellen und Fotos davon zu schießen: „Mir liegt das Kreative, das Modellieren, das Stylen der Perücken und die Suche nach dem richtigen Make-up.“
Beim Nähen der Kostüme bekommt sie Hilfe von ihrer Mutter Gabriele Webel. Die erzählt: „Erst war ich begeistert, aber irgendwann waren es 16 bis 20 Kostüme im Jahr, die auch immer pompöser wurden.“ Dennoch unterstützt sie das Hobby ihrer Tochter, wo immer sie kann, fuhr sie schon zu zahlreichen Treffen und Messen: „Es handelt sich um eine weltweite Szene und geht sehr international zu“, weiß sie.
Melanie Webel beschäftigte sich weiter mit Asien und begann, Rock und Pop aus Japan und Korea zu hören. „Ich wollte wissen, was sie singen, habe mich mit den Texten befasst.“ Und von da an war es nur noch ein kleiner Schritt zum Erlernen der Sprache. Vor gut einem Jahr hat sie damit angefangen: „Erst war es sehr mühsam und zeitaufwendig, die Songtexte zu übersetzen, aber es klappte immer besser.“
Ansporn war auch ihre erste Reise nach Japan, zusammen mit einer guten Freundin. Vor Ort stellte sie zwar schnell fest: „Japan hat wenig mit Cosplay, Mangas und Animes zu tun.“ Stattdessen erwachte plötzlich ihr Interesse an der japanischen Kultur, an den Menschen, dem Land, der Sprache. „Die Disziplin und Freundlichkeit der Menschen haben mich sehr beeindruckt“, schwärmt die junge Frau.
Schon im Dezember wird sie wieder nach Japan reisen – und schmiedet sogar Pläne, in ein paar Jahren dorthin zu ziehen. „Am liebsten für immer, denn Japan ist das Land meiner Träume. Mir ist bewusst, dass das schwierig ist, denn man muss dort eine Arbeit finden, um bleiben zu dürfen.“
Unter Melanie Webels Freunden ist das Verständnis für das Fernweh groß, denn viele gehören selbst der Szene an und sind ebenfalls fasziniert von der asiatischen Kultur und Lebensweise.
Die größten Chancen hätte sie, einen Job im Tourismus oder als Deutschlehrerin zu finden, glaubt die Berufsschülerin. In jedem Fall aber will sie erst eine Ausbildung in Deutschland abschließen – und weiter fleißig Sprache und Schriftzeichen lernen. Dass es beim Wettbewerb in Wolfsburg nicht für eine Platzierung gereicht hat, nimmt sie gelassen, schließlich ist sie noch Anfängerin...



