Trauerhaus für Muslime – Entscheidung vertagt
Braunschweig Ausschuss für Integrationsfragen meldete Beratungsbedarf an – Ratspolitiker haben noch viele Fragen
Ob es für die rund 12 000 Muslime in Braunschweig eine „Gasilhane“, ein Haus für rituelle Waschungen Verstorbener und Trauer, geben soll oder nicht, stand im Ausschuss für Integrationsfragen nicht zur Diskussion. Dazu herrschte parteiübergreifen Einigkeit. Uneinig waren die Mitglieder aber über die Umsetzung.
Da es noch viele offene Fragen gibt, beantragten die Grünen Beratungsbedarf. Dem schlossen sich alle Ausschussmitglieder an – bis auf die vier der CDU. Ihr Antrag, die Verwaltung solle bis zu den Haushaltsberatungen die genauen Kosten für den Bau eines rituellen Wasch- und Trauerhauses nach Mainzer Vorbild ermitteln, war damit vom Tisch.
Zu Beginn hatte Hayri Aydin, Sprecher des Rates der Muslime, ausgeführt, die muslimische Trauerhalle in Mainz, die diene als Basis für Braunschweig. „Ob sie so groß und so teuer sein muss, ist offen.“ Aydin plädierte für ein Braunschweiger Konzept. „Die hiesigen Muslime brauchen eine Stätte für Trauer und Anteilnahme, wie andere Religionen sie auch haben“, unterstrich er.
Gibt es weitere Religionsgemeinschaften in der Stadt, die rituelle Waschungen ihrer Verstorbenen vornehmen? Wer würde das Wasch- und Trauerhaus betreiben, wer die Betriebskosten tragen? Das waren nur einige Fragen, die Helmut Blöcker (Grüne) stellte. „Ich wünsche mir einen offenen Dialog, um auch möglichst viele Braunschweiger in diesem Prozess mitzunehmen“, sagte Blöcker und beantragte Vertagung.
Dem Wunsch nach Beratungsbedarf schlossen sich Udo Sommerfeld (Linke) und Kate Grigat (SPD) an. Sommerfeld: „Ich würde einem solchen Haus immer zustimmen, aber es gibt noch viele offene Fragen.“ Grigat: „Wir müssen auch Erklärungsarbeit für mehr Akzeptanz in der Bevölkerung leisten und Transparenz schaffen. Wir sollten Geduld haben – in Mainz hat sich das gelohnt.“ Die Realisierung dort hatte sich über fünf Jahre hingezogen.
Aykut Günderen (CDU) mahnte, für Muslime müsse in Braunschweig ein würdevolles Ableben möglich sein. „Wir sprechen von der zweitgrößten Religionsgemeinschaft in der Stadt. Lassen Sie uns unsere Verantwortung wahrnehmen und das Thema politisch nicht auf die lange Bank schieben“, forderte er.
Bereits vor zwei Jahren, so Sozialdezernent Ulrich Markurth zu einer SPD-Anfrage, seien Räumlichkeiten auch auf dem Hauptfriedhof besichtigt worden. Dort ging es um den Umbau eines Kellergewölbes – deutlich kostengünstiger als ein rund 330 000 Euro teurer Neubau. Die Umsetzung sei u. a. gescheitert, weil Säulen die Ausrichtung des Waschtisches nach Mekka verhinderten.
Zur aktuellen Diskussion sagte Ulrich Markurth: „Das Wasch- und Trauerhaus braucht eine solide Entscheidungsgrundlage.“
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