Test in Braunschweig – Parkplatzsuche per Handy
Braunschweig Siemens und die Firma Streetline haben Braunschweig als Testfeld ausgewählt, um in Europa ein Programm zur Parkplatz-Suche per Handy zu erproben.
Autofahrern soll zeitraubendes Gekurve erspart werden. Über die Navigationsfunktion ihres Smartphones sollen sie zielgerichtet zu freien Stellplätzen geführt werden, erklärt Ralf Krenkel. Er ist Geschäftsführer des Verkehrs-Dienstleiters Bellis, der das Projekt in Braunschweig steuert.
Für die Testphase sind 50 Stellplätze in der Nimesstraße und in der Taubenstraße mit Sensoren ausgestattet. Diese erfassen, ob der Parkplatz frei ist. Ein zentraler Rechner leitet die Information auf die internetfähigen Handys angeschlossener Autofahrer weiter.
Noch ist alles im Versuchsmodus. „Wenn Politik und Verwaltung in Braunschweig aber überzeugt von dem Projekt sind, können wir binnen ein oder zwei Jahren in der Stadt ein flächendeckendes Netz an Detektoren für die intelligente Steuerung der Parkplatzsuche aufbauen“, sagt Ralf Krenkel. Er ist Geschäftsführer des Verkehrs-Dienstleisters Bellis, der das Projekt im Auftrag von Siemens und dem amerikanischen Software-Anbieter Streetline in Braunschweig steuert. In Washington, Reno, Los Angeles und anderen amerikanischen Städten bringt das System des kalifornischen Programmientwicklers Streetline Autofahrer schon auf die Spur.
Braunschweig sei nun der Ankerpunkt, die Idee über den Atlantik zu exportieren. Seit einigen Wochen läuft die Testphase. Ende des ersten Quartals soll es laut Krenkel Gespräche mit der Stadt über die Zukunft geben. Die technische Ausstattung eines Parkplatzes kostet rund 400 Euro. An den Testkosten ist die Stadt nicht beteiligt.
Was kann das System?
Im Gegensatz zum erprobten Leitsystem, das auf Tafeln in der Innenstadt Auskunft über die Belegung von Braunschweigs Parkhäusern gibt, soll das neue System auch die Kapazitäten am Straßenrand in der Innenstadt erfassen können und diese Informationen mobil und in Echtzeit an Autofahrer weitergeben. Diese können ihr Smartphone für Navigation und Bezahlung der Parkgebühr nutzen.
In Braunschweig sind zurzeit ausgewählte Testfahrer mit der Technik ausgestattet. „Wir erproben zunächst, inwieweit die Erkennung und Routenführung funktioniert“, so Krenkel. Er spricht von einer Trefferquote von 95 Prozent.
Wer zahlt für das System?
Nicht die Autofahrer, betont Krenkel. Die Programmierung ihrer Smartphones sei gratis.
In den USA bauten die Betreiber die Technik selbst in den Straßengrund und kassierten von den Kommunen Miete – was in Deutschland rechtlich nicht möglich ist. Die Städte ihrerseits profitierten davon, dass sie Parkgebühren einnähmen und zielgenau den Politesseneinsatz mit Hilfe der Systemdaten steuern könnten. „Die Parkdisziplin in den USA ist sehr dürftig. Es zahlt kaum jemand. In Städten, in denen das System im Einsatz ist, hat sich dies ganz schnell geändert.“ Aber auch diese Form der Finanzierung sei politisch heikel und wohl nicht auf deutsche Verhältnisse übertragbar, meint Krenkel.
Ob die Stadt bereit ist Geld zu investieren, um den Parksuchverkehr zu reduzieren, hält auch der Bellis-Mann für fraglich. Quelle für Wirtschaftlichkeit könnten indes zusätzliche Serviceleistungen sein, etwa die Anzeige von freien Aufladestationen für Elektroautos oder Premiumparkplätzen, die gegen Aufpreis vorreserviert werden können. Solche könnten in Kürze im Probebetrieb an der Stadthalle eingerichtet werden, so Krenkel. Man sei im Gespräch. Wie berichtet, wird das Parken dort demnächst ohnehin kostenpflichtig. Am Ende zahlt dann doch der Nutzer.
Wo liegen die Konflikte?
Wie stellt das System sicher, dass ein angezeigter freier Platz dies bis zum Eintreffen des Autofahrers auch bleibt? Durch Reservierung per Handy, sagt Krenkel. „In den USA signalisieren Displays, dass ein Parkplatz belegt ist. Wer sich darüber hinwegsetzt, zahlt ein Bußgeld.“
Einstellen muss sich der Bellis-Mann auch auf die Debatte mit Verfechtern des öffentlichen Nahverkehrs. Wer es dem Autofahrer in Innenstädten komfortabler macht, hemmt schließlich den Umstieg auf Bus und Bahn. „Wer schon jetzt mit dem Auto in die Stadt fährt und auf Verdacht einen Parkplatz sucht, der ist kein potenzieller Umsteiger in den ÖPNV“, meint Krenkel.
Was sagt die Stadt?
Klaus Benscheidt, im Rathaus verantwortlich für Tiefbau und Verkehr, erklärt: „Das Projekt eröffnet neue Perspektiven und passt hervorragend in die Forschungs- und Entwicklungsarbeit, die in der Metropolregion im Zuge des Schaufensters Elektromobilität geleistet wird.“ Ein denkbares Anwendungsgebiet auch für ihn: die Auskunft über freie Ladestation für Elektroautos.



