Staunen über Flickflack und Spagat
Braunschweig Besuche in sozialen Einrichtungen haben bei Braunschweigs Karnevalisten eine lange Tradition. Sie geben dabei Kostproben ihres Programms.
Mollig warm ist es in der mit Girlanden und Luftballons geschmückten Cafeteria. 50 Bewohnerinnen und Bewohner der Seniorenanlage Sielkamp der St. Thomaestiftung sitzen erwartungsfroh auf ihren Stühlen. Einige tragen selbst gebastelte, mit Federn und Sternen verzierte Papphütchen. An der Seite stehen gut zehn Rollatoren sauber hintereinander geparkt.
Discjockey Werner Dornack spielt „Braunschweig ist schöner als Hannover“, doch Stimmung will noch nicht so richtig aufkommen. Das ändert sich, als Rainer Grossert, Sitzungspräsident der Karnevalvereinigung der Rheinländer mit seinem Elferrat in die Cafeteria kommt, und der DJ für Prinz Eppo III. den Einmarsch spielt. Als dieser gelbe und lachsfarbene Rosen an die Senioren verteilt, zaubert er ein vielfaches Lächeln auf die Gesichter.
Bei den Karnevalisten der drei Braunschweiger Gesellschaften haben Besuche in sozialen Einrichtungen, besonders in Seniorenheimen, eine lange Tradition. Für die Aktiven ist es Ehrensache, an diesen Sitzungen teilzunehmen. Ihr gemeinsames Ziel: Alten Menschen Freude bereiten und sie teilhaben lassen am närrischen Treiben in der fünften Jahreszeit. Allein die Mascheroder Karneval-Gesellschaft absolviert in dieser Session 23 solcher Auftritte.
In der Cafeteria der Thomaestiftung hat mittlerweile Funkenkommandant Peter Hosse mit seiner Funkengarde Einzug gehalten. Der Sitzungspräsident stellt ihn als „Mann mit dem Vogelnest“ auf dem Kopf vor. Lange, sagt Peter Hosse, habe er nach roten Hühnern für die Federn seines Kopfschmuckes suchen müssen. Einige Seniorinnen kichern vergnügt.
Wenig später wird die erste Karnevalsrakete gezündet. Jutta Heinemann, Leiterin der Anlage, die als Burgfräulein verkleidet ist, und ihre Kolleginnen in Matrosen- und Teufelchenkostümen unterstützen die Senioren beim Klatschen, animieren sie zum Trampeln mit den Füßen. Vielstimmig erklingt dann ein langgezogenes „Aaaaaah!“. Mit der Rakete werden die Tänzerinnen der Jugendgarde bedacht, die die Senioren mit ihren Tänzen, mit Flickflack und Spagat staunen lassen.
Als Corina Siedelmann in die Bütt steigt und die Ehefrauen hochleben lässt, nickt so manche Seniorin wissend mit dem Kopf. Auch Norbert Czok hat die Bewohner ganz auf seiner Seite, als er verkündet: „An uns Senioren kommt keiner vorbei!“ Danach nimmt Sängerin Ruth Lehmann die Senioren musikalisch mit nach München, an den Rhein und auf die Reeperbahn. In der Cafeteria wird geklatscht und geschunkelt, und so mancher Rollstuhl schwingt dabei hin und her. Wieder wird eine Rakete gezündet – für den Auftritt von Jugendmariechen Samanta Warlich.
Nach einer guten Stunde endet das Programm. Mit einem vielstimmigen „Ja!“ verabschieden die Senioren die Karnevalisten. Heimleiterin Jutta Heinemann hatte sie gefragt, ob sie die Karnevalisten nächstes Jahr wieder reinlassen wollen…

