Schlag auf Schlag gerät zum packenden Schlagabtausch
Braunschweig Die Teilnehmer diskutierten, stritten und informierten im neuen Interviewformat "Schlag auf Schlag" mehr als zwei Stunden lang im Pressehaus über den Flughafen in Waggum.
Zwei Seiten, vier Köpfe, acht Augen - unter diesem Motto fand am Dienstagabend die erste Auflage des neuen Interviewformats unserer Zeitung statt - Schlag auf Schlag! Zum Thema „Was passiert am Flughafen wirklich?“ gab es vor rund 40 Zuhörern im Pressehaus einen wahren Schlagabtausch, der etwas mehr als zwei Stunden dauerte. Deutlich wurde, dass die Fronten zwar nicht unversöhnlich, aber immer noch verhärtet sind. Am Anfang gaben sich Henning Jenzen von der BIBS und Flughafen-Geschäftsführer Boris Gelfert nicht einmal die Hand. Auch Flughafen-Aufsichtsratsvorsitzender Reinhard Manlik und Frank Gundel von der Bürgerinitiative Hondelage gelten nicht gerade als enge Freunde, was man sehen konnte. Andererseits war es ein fast historisches Treffen. Noch nie hatte man in einer solchen Zusammensetzung an einem Tisch gesessen, noch nie waren so akribisch und detailliert die meisten immer noch strittigen Punkte durchdiskutiert worden.
Auf Seiten der Flughafen Braunschweig-Wolfsburg GmbH machten der Aufsichtsratsvorsitzende Manlik und Geschäftsführer Gelfert unmissverständlich deutlich, dass von Braunschweig aus künftig keine „Billigflieger“ starten werden. Dies sei ausgeschlossen, nicht zulässig - und außerdem sei hierfür auch die nötige Infrastruktur nicht vorhanden und auch nicht geplant. Manlik strich jedoch heraus, dass der Flughafen ein Verkehrsflughafen sei, der eine Ausweitung des Charterflugverkehrs anstrebe. Er biete dem Weltkonzern Volkswagen zudem die notwendige Infrastruktur. Das Prädikat „Forschungsflughafen“ sein ein ausgezeichnetes Marketinginstrument und dokumentiere die exklusive Rolle der Forschung und hier besonders der Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), sei überdies ein Magnet für andere bedeutende Luftfahrtinstitutionen und die Forschungseinrichtungen der TU. Gelfert führte aus, dass nach der Kappung der Grasseler Straße für die Verlängerung der Start- und Landebahn die Tunnellösung aufgrund der hohen Kosten und die Ostumfahrung durch richterliches Votum zu den Akten gelegt werden mussten.
Jenzen und Gundel forderten, den Fluglärm stärker als bislang in den Fokus zu nehmen. Über kurz oder lang werde man um ein Nachtflugverbot nicht herumkommen beziehungsweise müsse dies auf die Tagesordnung setzen. Das Verfahren der Flughafenerweiterung habe Wunden gerissen und sei nicht gut für die Demokratie. Die Bürger müssten sich darauf gefasst machen, dass auch andere Projekte auf diese Weise gelöst würden, wenn die Bürger nicht mehr Einblicke und Kontrollmöglichkeiten erhielten. Dem widersprach Gelfert vehement. Es sei alles rechtsstaatlich gelaufen - und die Ergebnisse müssten akzeptiert werden. Allerdings musste er auf die Frage nach dem aktuellen Stand der Finanzierung und der Förderung passen - dies sei nicht die Sache der Flughafen GmbH, erklärte er, sondern der Strukturförderung Braunschweig GmbH. Jenzen kritisierte dieses Verfahren heftig.
Jenzen und Gundel machten deutlich, dass sie keine Flughafengegner seien. Im Kern gehe es ihnen darum, dass die Verlängerung der Start- und Landebahn nicht notwendig gewesen sei und gegen die betroffenen Bürger durchgesetzt wurde. Die Schäden des teilweise gerodeten und gekappten Querumer Forstes seien dafür nicht hinnehmbar. Volkswagen könne neben Waggum auch den Flughafen Hannover nutzen. Manlik und Gelfert hielten dagegen, der Eingriff in die Natur sei hinnehmbar - und durch das Vierfache an Aufforstungen in der Region ersetzt worden. Die Bedeutung für die Forschung und Volkswagen sei so hoch einzuschätzen, dass auch Nachteile für wenige hingenommen werden müssten, wenn die Verfahren mit den Prozeduren des Rechtsstaats abgeschlossen seien.
Auch die Rolle unserer Zeitung in der Berichterstattung wurde thematisiert. Während Gundel herausstrich, in der Vergangenheit sei voreingenommen berichtet worden, betonte Manlik, er sehe heute eine Verschiebung der Akzente, die ihm Sorgen bereite. Die Redaktion machte klar, dass es ihr in neuen Gesprächsformaten wie diesem Schlag auf Schlag um größtmögliche Transparenz und ein Maximum an Informationen für die Leser gehe. Eine Redaktion müsse kritisch berichten und nachfragen. Das müssten die Verantwortlichen aushalten können. Einige Punkte wurden auf „Wiedervorlage“ in den Faktencheck gegeben - zum Beispiel die Frage, ob auch eine sogenannte „Nulllösung“ für Waggum noch eines Planfeststellungsverfahrens bedarf - und somit noch einmal Gegenstand politischer Gestaltung werden könnte. Auch der Frage, was das Forschungsflugzeug des DLR - der Airbus A 320 ATRA, für den die Start- und Landebahn erklärtermaßen ausgebaut wurde - derzeit tatsächlich kann und erforscht, wird nachgegangen.
Im Anschluss können Sie das gesamte Schlag auf Schlag in der angehängten Audiodatei in voller Länge verfolgen. Auch in der gedruckten Ausgabe unserer Zeitung soll ein Großteil des Gesprächs mit den Antworten auf unsere 20 Fragen abgedruckt werden.

