Richtungsstreit um neue Straßenbahn-Linien
Braunschweig Im Rathaus tobt ein Richtungsstreit: Soll Braunschweigs Straßenbahn-Netz ausgebaut werden? Die Kluft zwischen Gegnern und Befürwortern ist tief.
Die Debatte um die Straßenbahn-Verlängerung in Volkmarode liefert einen Vorgeschmack. Denn im nächsten Jahr wird es bereits um weitere Projekte gehen: um eine neue Straßenbahnstrecke auf der Gördelinger Straße und eine neue Strecke nach Lamme.
Allen drei Strecken ist gemein: Sie werden zu teuren Angelegenheiten, weil wohl keine Fördergelder vom Land fließen. Denn Hannover verlangt, dass die Bahnen auf einem eigenen Gleiskörper fahren. „Dafür gibt es aber weder auf der Gördelinger Straße noch Richtung Lamme Platz“, sagt Gerald Heere, Ratsherr der Grünen.
Volkmarode liefert ein Beispiel für die Summen, um die es geht. 15 bis 17 Millionen Euro, hat die Verkehrs-AG kalkuliert, werde es kosten, die Bahn auf eignem Gleiskörper am Rande der Berliner Heerstraße bis zum Neubaugebiet zu verlängern. Doch weil die Kosten im Missverhältnis zu den Zusatzeinnahmen stehen, wird das Land den Zuschuss, der bis zu 75 Prozent betragen kann, nicht zahlen.
Über das Missverhältnis sagt CDU-Ratsherr Carsten Müller, gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der Verkehrs-AG: „Die Prüfung hätte einen Wert größer als 1 haben müssen. Tatsächlich lag er bei 0,22. Das Ziel wurde also nicht knapp, sondern meilenweit verfehlt.“
Früher wäre der Verlängerungsplan auf Nimmerwiedersehen in der Schublade verschwunden. Doch die Mehrheiten im Rat haben sich geändert. So wurde beschlossen, die Kosten neu zu kalkulieren. Die Straßenbahn soll aus Kostengründen mitten auf der Berliner Heerstraße fahren. Es müssten dann weder eigener Gleiskörper noch neue Nebenanlagen gebaut werden, und auch der Kauf von Grundstücken entfiele. Das werde billiger.
Unwesentlich billiger – meint die Verkehrs-AG. Wesentlich billiger – meinen SPD und Grüne. Heere rechnet mit „rund 10 Millionen Euro“.
Müller prophezeit, werde der Plan umgesetzt, sei das „für die Verkehrs-AG unternehmensschädlich. Das Geld lässt sich viel besser anlegen.“ Der Alternativplan lautet: Weil die Straßenbahn-Wendeschleife am Volkmaroder Grenzweg marode ist, soll sie zur Bus-Wendeschleife an der Berliner Straße am Ortsausgang verlegt werden.
Nach dem Beispiel der Haltestelle Eintracht-Stadion könnte dort eine neue Bus-Bahn-Kombihaltestelle entstehen. „Eventuell gibt es dafür sogar Fördergelder“, so Müller.
Doch SPD und Grüne haben einen anderen Verkehrs-Knoten im Auge. Es soll nicht nur Volkmarode-Nord an das Straßenbahn-Netz angeschlossen werden, sondern auch ein neuer Großparkplatz, der auf dem Verkehrs-Übungsplatz-Gelände entstehen könnte. „Wo zum Beispiel Elektroautos parken und gleichzeitig aufgeladen werden könnten“, sagt Holger Herlitschke, Fraktionschef der Grünen. Mit der Straßenbahn könnte es vom Parkplatz in die Innenstadt gehen.
Der Richtungsstreit wird mit harten Bandagen ausgetragen. SPD-Fraktionschef Manfred Pesditschek warf der Verkehrs-AG vor, nur das Sparen im Auge zu haben, aber „kein großer Fan der Schiene“ zu sein.
Reden Sie mit: Wo in Braunschweig ist das Straßenbahn-Netz lückenhaft?



