Otto Görge erwartet neuen Vorschlag
Braunschweig Bürgerversammlung im Kanzlerfeld diskutiert, wo eine Erweiterung des Supermarktes möglich und sinnvoll ist.
KANZLERFELD. „Wenn tatsächlich 1000 Quadratmeter Verkaufsfläche im Einkaufszentrum möglich sind, bekomme ich ganz spitze Ohren“, erklärte Kaufmann Otto Görge am Montagabend. Im Streit um einen Neubau oder Umbau des bestehenden Supermarktes gibt es eine neue Entwicklung.
Während einer Bürgerversammlung im mit 140 Besuchern abermals überfüllten Gemeindehaus der Wicherngemeinde im Kanzlerfeld vereinbarten Supermarkt-Besitzer Görge und ein Vertreter einzelner Liegenschaften in dem aus einer Eigentümergemeinschaft bestehenden Einkaufszentrum (EKZ), Hein Brede, eine neue Gesprächsrunde.
Die Bürgerinitiative „Stadtteil-Mittelpunkt Kanzlerfeld“, die seit Frühjahr für Erhalt und Ausbau des Einkaufszentrums an der Bundesallee kämpft und gegen einen Neubau auf der gegenüberliegenden Grünfläche Sturm läuft, hatte zu der Versammlung geladen.
Die Politik hatte den Weg für einen Supermarkt-Neubau auf der Grünfläche bereits 2009 geebnet. Doch noch müssen Ratsgremien einer Veränderung des Bebauungsplans zustimmen, damit der Neubau genehmigt werden kann.
„Wir wollen durchaus, dass der Lebensmittelmarkt vergrößert wird – aber am jetzigen Standort, um das EKZ zu stärken“, fasste Katrin Thies von Bürgerinitiative (BI) für die Zuhörer noch einmal zusammen. „Und wir wollen verhindern, dass 5000 Quadratmeter Wiese unwiederbringlich verschwinden.“
Die BI meint, ein ausreichend großer Verkaufsraum, der den Görge-Markt auch für die Zukunft rentabel machen würde, sei im Einkaufszentrum machbar. Otto Görge indes hatte bereits öffentlich erklärt, er halte einen entsprechenden Umbau des EKZ aus baulichen Gründen nicht für möglich – zumindest nicht für eine vertretbare Investitionssumme mit der sich daraus für ihn ergebenden Miete.
Otto Görge nahm am Montagabend an der Bürgerversammlung teil. Er versicherte: „Ich bin ein Nahversorger als Vollsortimenter und möchte es bleiben. Aber ich bin mit 600 Quadratmetern bei einer sich derzeit in der Stadt stark verändernden Konkurrenzlage im Stadtteil Kanzlerfeld nicht wettbewerbsfähig.“
Für seine Aussagen erhielt Görge im Wichernhaus auch Applaus, während andere die Argumente des Kaufmanns anzweifelten.
„Die Kernfrage ist doch: Wieso gibt es beim Einkaufszentrum so unterschiedliche Meinungen über die Machbarkeit?“, meinte Claus Sommer, Zuhörer der Informationsveranstaltung. „Da braucht es wohl einen Moderator.“
Diese ganz sachliche und im Diskussionsverlauf folgerichtige Aussage eines an sich unbeteiligten Kanzlerfelders brachte bei der Veranstaltung Bewegung in die augenscheinlich festgefahrenen Lager. Es war wie ein Stichwort für Hein Brede: „Ich stelle mich gern als Moderator zur Verfügung.“
Nicht ganz uneigennützig freilich – Brede ist Eigentümer von bereits zwei Ladenlokalen im Einkaufszentrum. „280 Quadratmeter gehören mir, für 670 weitere Quadratmeter liegt mir ein Angebot vor“, sagte er. Für weitere 100 Quadratmeter Fläche im Erdgeschoss des Komplexes würde Brede den aktuellen Eigentümern bei Bedarf Offerten unterbreiten. „Bisher“, meinte der Immobilienbesitzer, „wurde in der Sache Supermarkterweiterung im EKZ doch noch gar nicht ernsthaft verhandelt.“
Otto Görge schien gespannt auf einen Lösungsvorschlag zu sein, den Brede dem Investor unterbreiten will. Bis 1. Dezember soll eine Entscheidung fallen, ob beide Seiten sich tatsächlich annähern und sich aus den Gesprächen ein neuer Lösungsvorschlag ergibt.
Auch Neubau-Befürworter melden sich zu Wort
Sollte es zu einem Supermarkt-Neubau an der Ecke Bundesallee/Stauffenbergstraße kommen, befürchtet Anwohner Dieter Münscher Geruchsbelästigungen, weil auf den geplanten Standort eines Abfallcontainers die Mittagssonne scheinen würde.
Doch es gibt auch Anwohner des Einkaufszentrums auf der anderen Bundesallee-Seite, die seit Jahren mit Begleiterscheinungen des Besucherverkehrs zu Läden und Praxen im EKZ zurecht kommen müssen. Anwohner des David-Mansfeld-Weges, der an der nördlichen Seite des Einkaufszentrums liegt, hörten zum Beispiel 24 Stunden die Geräusche der Kühlanlage des Supermarktes, sagt eine Kanzlerfelderin (Name liegt der Redaktion vor).
Mit Anja Prasil meldete sich am Montagabend auch eine energische Befürworterin eines Neubaus zu Wort. „Ich überlege, Unterschriften für einen Neubau zu sammeln und eine entsprechende Bürgerinitiative zu gründen“, berichtete sie.
„Treibende Kräfte der Bürgerinitiative sind direkte Anwohner und Miteigentümer. Daher besteht natürlich Eigeninteresse, einen Neubau zu verhindern. Da wird an das Wohl der anderen, auch der älteren Kanzlerfelder, nicht gedacht“, erklärte Prasil.
Und weiter: „Ich freue mich auf einen großen, modernen Supermarkt, der die Nahversorgung im Kanzlerfeld und auch den Fortbestand des Ladens in Lehndorf auf lange Sicht sicherstellt.“
Fakten:
Kontakte zu Gegnern und Befürwortern eines Supermarkt-Neubaus:
•Initiative Stadtteilmittelpunkt Kanzlerfeld: www.bi-kanzlerfeld-bs.de
Anja Prasil, Neubau-Befürworterin, Mail: progoerge@web.de



