Offen gesagt - Interviewpartner und andere
Braunschweig Noskes Notizen - Der Lokalchef unserer Redaktion schreibt Klartext und lädt zur Diskussion ein.
Vergangene Woche haben wir die Dokumentation unseres neuen Schlag-auf-Schlag-Interviewformats abgeschlossen. Es ging um den Flughafen – auf insgesamt drei Doppelseiten haben wir die wichtigsten Passagen abgedruckt. Es ist eine außergewöhnliche Dokumentation eines lokalen und regionalen Projekts, das wichtig ist, aber auch Staub aufgewirbelt und Fragen aufgeworfen hat – die Verlängerung der Start- und Landebahn.
Aus dem besonderen Gespräch ergeben sich nun weitere Fragen des Fakten-Checks, denen unsere Redaktion nachgehen wird:
Wie steht es um die noch offenen Fragen der Förderung? Was sagt die Strukturförderung Braunschweig GmbH? Was kann das Forschungsflugzeug ATRA, der Airbus A320 des DLR, für den die Start- und Landebahn verlängert wurde, derzeit wirklich? Was ist mit ihm geplant? Gibt es bereits ein Nachfolgemodell? Welches Abschlussverfahren muss jetzt für die endgültige Verkehrslösung im Umfeld noch durchgeführt werden? Bleibt es wirklich bei der sogenannten Nulllösung?
Wenn die Redaktion solche Fragen beantworten will, bei denen sich auch die Experten schwertun, dann ist sie auf Entgegenkommen bei den Recherchen und auf Auskünfte angewiesen. Meistens klappt dies ausgezeichnet. Allerdings ist es auch nicht immer selbstverständlich. Wenn Verantwortliche oder Beteiligte „mauern“, dann kann die Recherche schwierig werden. Im Falle Flughafen wird dies bestimmt nicht der Fall sein. Es gibt allerdings manchmal Vorgänge in anderer Sache, die der Redaktion die Arbeit erschweren. Wenn beispielsweise mehrmalige Interview-Anfragen abschlägig beschieden werden, dann darf der Interview-Verweigerer sich anschließend nicht auch noch darüber beschweren, dass er nicht zu Wort kommt. Diesem Zweck – so ausführlich, wie es notwendig ist – hätte schließlich das Interview gedient. Ich mag dieses Frage- und Antwortspiel. Es ist eines der stärksten journalistischen Formate, das vom Leser sehr geschätzt wird. Aber man muss es eben auch führen können.
Mit einem weiteren Phänomen schlägt sich so eine Redaktion bisweilen herum. Sie formuliert gezielte Fragen, doch mit der Beantwortung lässt man sich auf der anderen Seite reichlich Zeit. Mitunter wird sie immer wieder verschoben – bis zu einem Zeitpunkt, der vielleicht genehm ist. Auch hiervon ist aktuelle, transparente Berichterstattung abhängig. Eine Redaktion, die die Öffentlichkeit angemessen informieren will, wird letztlich auch über solche Verzögerungen berichten müssen.
Umso mehr gebührt den Teilnehmern unseres Schlag-auf-Schlag-Gespräches zum Flughafen großer Dank: Boris Gelfert, Frank Gundel, Henning Jenzen und Reinhard Manlik haben sich – trotz großer Meinungsunterschiede – in einer Zukunftsfrage der Stadt der Diskussion gestellt und damit auch dem eigenen Anliegen einen hohen Dienst erwiesen. Mehr noch: Sie haben unter Beweis gestellt, wie wichtig ihnen Transparenz und die Information der Öffentlichkeit sind. Etwas besseres kann man über sie und ihre Sache nicht sagen. So können wir arbeiten.


