Neuer Chef bei der Braunschweiger Polizei-Reiterstaffel
Braunschweig Der Peiner Olaf Schulze ist neuer Chef der Reiter- und Diensthundeführerstaffel der Polizeidirektion Braunschweig.
Seit Anfang November steht Olaf Schulze der Reiter- und Diensthundeführerstaffel der Polizeidirektion Braunschweig vor – eine „tierisch gute Dienststelle“, wie er sagt. Die Polizisten sind mit ihren Pferden und Hunden in der ganzen Region im Einsatz ist – aber auch über die Grenzen Niedersachsens hinaus.
Olaf Schulze hat noch nie auf einem Pferd gesessen und einen Hund hat er auch nicht. Dennoch musste der Erste Polizeihauptkommissar nicht lange überlegen, als ihm die Leitung der Reiter- und Diensthundeführerstaffel angeboten wurde. „Ich habe sofort Ja gesagt. Es ist eine außergewöhnliche Dienststelle, sie hat Prestige und stellt die Polizei in einem guten Licht dar“, sagt der 55-Jährige. Und es ist eine Dienststelle mit Tradition – seit 100 Jahren gibt es die Reiterstaffel in Braunschweig, es ist die älteste in Niedersachsen, älter noch als die größere in Hannover. Mit ihren 20 und 40 Pferden bilden sie zusammen die stärkste Staffel im Bundesgebiet.
Bislang war Schulze unter anderem Dienststellenleiter in Großburgwedel, er war Dienstabteilungsleiter in Peine und Salzgitter, hat sich als Sachbearbeiter lange mit der Gefahrenabwehr und dem Umweltschutz beschäftigt. Seit dieser Woche gehören zu seinem Umfeld nicht nur 55 Mitarbeiter, sondern auch 53 Vierbeiner. Wenn er vor die Tür tritt, umgibt ihn ein Geruch von Stroh und Heu; an diesem Mittag dösen die Pferde in ihrer Box, die Köpfe genüsslich auf die Unterkante ihrer Außenfenster gelegt, um die letzten Sonnenstrahlen zu erhaschen. Ein Fachmann für Pferde und Hunde muss Schulze nicht sein. Seine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass die Arbeitsbedingungen stimmen. Dass die Mitarbeiter mit der Ausrüstung ausgestattet sind, die sie für ihre Einsätze und das Training brauchen, dass der Fuhrpark und die Technik in Ordnung sind, die Unterkünfte instand gehalten werden, die Tiere Futter und Stroh haben, aber auch, dass die Ausgaben in Zeiten knapper Kassen nicht steigen.
Ganz ohne Kenntnisse wird der dem Peiner seinen tierischen Mitarbeitern aber nicht gegenübertreten. Er ist Vater von vier Kindern, drei seiner Töchter reiten. „Striegeln, Pferde auf die Weide bringen – all das habe ich schon mal gemacht“, sagt er. Für ein Foto greift er beherzt in den Zügel des Schimmel-Wallachs Gecko. Berührungsängste hat er nicht, „Respekt vor den großen Tieren aber schon“, wie er mit einem Lächeln betont.
Am Tag des Leitungswechsels ist Polizeipräsident Harry Döring auf den Hof nach Braunschweig-Querum gekommen. Er würdigt die Leistung des bisherigen Leiters, Joachim Rode, der mit 62 in den Ruhestand geht. Gut fünf Jahre hat er die Reiter- und Diensthundeführerstaffel geleitet; es war eine Zeit, in der die Zukunft der Dienststelle nicht sicher schien. Im Zuge des Spardrucks im Land gab es die Überlegung, die Reiterstaffeln in Niedersachsen zusammenzulegen; der Standort Braunschweig stand auf der Kippe. „Aber das ist Schnee von gestern“, sagt Rode. Er kann nun mit dem guten Gefühl den Stab weitergeben, er hinterlässt eine funktionierende Dienststelle, die sich nach außen öffnet.
Sogar auf Facebook ist die Reiterstaffel inzwischen vertreten, Wallach „Forrest“ plaudert regelmäßig in dem sozialen Netzwerk aus dem Leben und dem Alltag eines Polizeipferdes.
Die Reiter sind bei großen Demonstrationen im Einsatz, bei den Fußballspielen von Eintracht und dem VfL Wolfsburg, sie gehen in den Naturschutzgebieten auf Streife, am Salzgitter- und Allersee, im Elm, in der Asse und im Harz. Sogar in den Elbtalauen, in der Heide oder auf den Nordsee-Inseln waren sie schon unterwegs - „wo der Mensch in der Natur keinen Schaden anrichten soll, können wir polizeiliche Präsenz zeigen“, sagt Döring.
Jetzt überlegen auch andere Bundesländer, eine Reiterstaffel aufzubauen – kürzlich hat sich Sachsen-Anhalt bei den Braunschweigern erkundigt, welche Vorteile der Einsatz hoch zu Ross hat. „Ein Pferd ersetzt zehn Mitarbeiter“, sagt der Polizeipräsident. „Es flößt schon aufgrund seiner Größe Respekt ein.“
Auch die Hunde sind für die Polizei unersetzlich. 33 gehören zur Polizeidirektion Braunschweig. Es gibt eine Gruppe in Goslar, eine in Wolfsburg und eine in Braunschweig. Die Vierbeiner sind dahingehend trainiert, Rauschgift zu erschnüffeln. Es gibt Leichen- und Blutspürhunde, Brandstoffmittel-, Fährten und Personenspürhunde, die mit ihren feinen Nasen den Spuren vermisster Kinder oder flüchtiger Verbrecher folgen können. Und es gibt Sprengstoffspürhunde, die zum Beispiel dann zum Einsatz kommen, wenn hoher politischer Besuch in der Region ist und vor Anschlägen geschützt werden muss.
Schulze hat noch sieben Dienstjahre vor sich. Als gebürtiger Peiner wird er nun jeden Morgen nach Braunschweig fahren müssen, obwohl er sich nach seiner Zeit in Großburgwedel eigentlich geschworen hatte, nie wieder zu pendeln. „Doch ich mache das gerne“, betont er. Vor allem, weil er neben der Erfahrung die er mitbringt auch noch etwas über den Umgang mit Hunden und Pferden lernen kann.
Wird er es auch mal mit dem Reiten versuchen? Darüber schweigt er sich aus. Aber vielleicht ist noch nicht das letzte Wort gesprochen.
