Nervenprobe für Tausende – Weltkriegsbombe entschärft
Braunschweig Die Entschärfung einer Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg hat am Mittwochabend den gesamten Norden der Stadt Braunschweig lahmgelegt. Erst um 21.46 Uhr war sie erfolgreich vollzogen.
Der Blindgänger – 500 britische Pfund, also rund 220 Kilogramm schwer – war bei Kampfmittelsondierungsarbeiten in Rühme am Autobahnkreuz Braunschweig-Nord gefunden und sofort als gefährlich erkannt worden.
In Rühme und in Teilen von Wenden, Bienrode und Kralenriede sowie in Teilen des Gewerbegebietes Hansestraße mussten 3300 Menschen ihre Häuser und Arbeitsstätten verlassen. Sie kamen bei Freunden und Verwandten unter oder wurden mit Bussen ins Not-Quartier im Wendener Schulzentrum gebracht.
Die Aktion verzögerte sich stark, weil etliche Bewohner sich trotz Aufforderung von Polizei und Feuerwehr weigerten. Erst gegen 20.40 Uhr konnten deshalb die A 2 und die A 391 im Bereich des Autobahnkreuzes gesperrt werden – und erst danach konnte mit der Entschärfung der Bombe in einem Graben neben der Mark-Twain-Straße durch Sprengmeister Michael Tillschneider vom Kampfmittelbeseitigungsdienst Hannover begonnen werden.
Er schraubte den Aufschlagzünder aus der Bombe heraus. Zuvor hatte er entschieden, dass die Weltkriegsbombe so gering beschädigt sei, dass man auf eine Sprengung verzichten konnte. Alles verlief reibungslos.
Mehr als 700 Menschen hatten stundenlang in der Turnhalle des Wendener Schulzentrums ausharren müssen und wurden von Hilfsorganisationen und der Feuerwehr betreut, bevor sie wieder nach Hause konnten.
Insgesamt waren 375 Einsatzkräfte beschäftigt. „Wenn die Evakuierung disziplinierter und reibungsloser vonstatten gegangen wäre, hätte man die Wartezeit deutlich verkürzen können“, sagte ein Polizeisprecher unserer Zeitung.
Hinzu kam, dass nicht weniger als 70 Rettungs- und Krankenwageneinsätze erforderlich waren, um alte, kranke und gebrechliche Menschen aus der Gefahrenzone zu bringen – und letztlich nach vollzogener Bombenentschärfung auch wieder zurück.
Auch die frostigen Temperaturen trugen dazu bei, dass sich die Bereitschaft in Grenzen hielt, den Anweisungen Folge zu leisten. „Darüber wird noch zu reden sein“, hieß es in Kreisen der Einsatzkräfte.
