Nachfrage nach handgefertigten Produkten steigt
Braunschweig Selbstgemachtes boomt. In der Stadt gibt es inzwischen eine Reihe von Läden, die ihre Waren selbst designen und als Unikate verkaufen.
Früher galten Menschen, die strickten oder Taschen nähten, als verschrobene Ökos. Heute ist es nicht nur wieder schick, mit Nadel und Faden umgehen zu können. Immer mehr Menschen sind inzwischen bereit, für handgefertigte Produkte wieder Geld auszugeben.
Das hat auch Christiane Colsman festgestellt – und sich mit der Malerin Susanne Loss und der Braunschweigerin Sybille Collet zu einer bunten Ladengemeinschaft zusammengeschlossen.
Seit einer Woche verkaufen die drei Frauen im „Kleinen Kaufhaus Kuhstraße“ in der Kuhstraße 4 bunt bestickte Kissen, handgenähte Taschen und Decken, abstrakte Ölbilder, restaurierte Möbel und antiquarische Sammlerstücke.
Bis vor kurzem war Nähen für Christiane Colsman nur ein Hobby. Inzwischen ist die Nachfrage nach ihren selbst gemachten Textilien so groß, dass sie ihren alten Job in der Event-Branche aufgegeben und das kleine Studio angemietet hat, das sich im ersten Stock des „Kleinen Kaufhaus“ befindet. „Ich habe so viel zu tun, dass wir vielleicht demnächst noch jemanden einstellen müssen“, freut Colsman sich.
Selbstgemachtes boomt, auch in der Region. Im Magniviertel und im Östlichen Ringgebiet gibt es inzwischen eine Reihe von Läden, die etwa Hüte (Raum 23), Kerzen (Kerzenwerkstatt), Schmuckstücke (Atelier für Schmuck und Gestaltung und „Silberdinge“) oder Allerlei anderes („Anne Ecke“) selbst designen und als Unikate verkaufen.
Der Reiz, so scheint es, liegt für die Kunden darin, dass sie über die Ware mitbestimmen können. Wer im „Kleinen Kaufhaus“ zum Beispiel eine Tasche bestellt, kann über deren Größe und die Farbe von Stoffen und Knöpfen mitentscheiden.
Der beste Beleg dafür, dass die Nachfrage nach handgefertigten Produkten gestiegen ist, sind die Verkaufszahlen auf „Dawanda“, dem größten Internetportal für Selbstgemachtes: 2,5 Millionen Produkte werden hier präsentiert, jeden Tag schauen 9,5 Millionen Besucher vorbei. Voraussichtlicher Umsatz 2012: 7 Millionen Euro.
Auf der Plattform gibt es seit kurzem sogar eine Gruppe „Rund um Braunschweig“. Nicht nur Christiane Colsman verkauft auf „Dawanda“ ihre selbst erfundene Stricknadelmappe, auch die Braunschweiger Hobbybastlerin Eva Brinckmann bietet dort unter dem Namen „Nutsew“ zum Beispiel bunte Kirschkernkissen, Schals und Kinderpullover an (wir berichteten).
Ansonsten gelten online jedoch die gleichen Regeln wie in der realen Welt, in der Vorweihnachtszeit ist der Umsatz am höchsten. Der aktuelle Verkaufsschlager aus der Region: Kleine Stoff-Taschen mit Schnurrbart-Design. Trendy, selbstgemacht und ganz sicher einzigartig.

