Nachbarn räumen nicht – 91 Anzeigen bei der Stadt
Braunschweig Bei Schnee und Eis müssen Anlieger den Gehweg vor ihrem Haus räumen. Doch viele drücken sich. Bei der Stadt gingen schon 91 Beschwerden ein.
Das frostige Schneetief Hansgeorg hält Braunschweig und die Braunschweiger derzeit in Atem und sorgt dafür, dass viele den Tag mit schweißtreibendem Frühsport beginnen: mit Schneeschieben und Eiskratzen.
Doch viele drücken sich offenbar. Bei der Stadt sind in den vergangenen Tagen 91 Beschwerden von Bürgern eingegangen: Ihre Nachbarn seien ihrer Schneeräumpflicht auf Gehwegen nicht nachgekommen. „Wir leiten diese Hinweise an Alba weiter. Alba prüft die Hinweise, und treffen sie zu, werden die Anlieger mit einem Merkblatt im Briefkasten an ihre Räumpflicht erinnert“, sagt Sprecher Adrian Foitzik. Ordnungswidrigkeitenverfahren habe man bisher nicht einleiten müssen.
Für das Räumen und Streuen auf Gehwegen sei immer der Eigentümer des angrenzenden Grundstücks verantwortlich, stellt Foitzik klar. Ein Randstreifen mit einer Breite von mindestens 1,50 Metern müsse geräumt und gestreut werden.
Doch der Zorn mancher Bürger richtet sich nicht nur gegen den eigenen Nachbarn. Auch Winterdienst-Profi Alba bekommt immer wieder Ärger zu spüren. So meldete sich unser Leser Frank Meyer, er wohnt am Turmsberg, bei der BZ und beklagt sich darüber, dass der Räumdienst am Wochenende „mal wieder nicht durch den steckengebliebenen Berufsverkehr gekommen“ sei. Die Hauptstraßen seien um 8 Uhr noch nicht geräumt gewesen!
Wohingegen sich Nils Beck über den winterlichen Zustand der Radwege ärgert. Während auf der Straße die Räumfahrzeuge teilweise im Doppelpack unterwegs seien, würden die Radwege überhaupt nicht vom Schnee befreit. „Irgendjemand macht da seinen Job nicht. Seit Tagen ist zum Beispiel der Radweg entlang des nördlichen Rings zwischen Amalienplatz und Hans-Sommer-Straße überhaupt nicht geräumt, ähnlich sieht es am Bienroder Weg und im weiteren Verlauf Richtung Flughafen aus.“
Dazu stellt Stadt-Sprecher Rainer Keunecke klar: In dem 2011 erweiterten Leistungsvertrag mit Alba sei geregelt, dass 35 Kilometer Radwege im Stadtgebiet (zuvor waren es 16 Kilometer) nach erster Priorität zu räumen sind. „Dabei handelt es sich um wichtige Routen zum Beispiel in die Innenstadt oder auf dem Ring.“ Weitere 37 Kilometer würden geräumt, wenn die Routen der ersten Priorität abgearbeitet seien. „Bei anhaltenden Schneefällen ist es daher möglich, dass die Räumung auf diese Strecken beschränkt bleiben muss. Salz und Splitt sind laut Ratsbeschluss nicht gestattet. Die Radwege werden mit Bürste oder Räumschild geräumt.“ Der Radweg am Bienroder Weg gehöre zur zweiten Kategorie, ebenso die Hans-Sommer-Straße.

