Messen über den Wolken Korsikas
Braunschweig Wissenschaftler der TU erforschten in 100 Flugstunden das Herbstwetter über dem Mittelmeer. Ziel ist die Entwicklung eines Unwetter-Warnsystems.
Nach einer fünfwöchigen Messkampagne im Mittelmeerraum ist das Forschungsflugzeug der TU nach Braunschweig zurückgekehrt. Mehr als 100 Stunden flogen vier Mitarbeiter des Instituts für Flugführung die zwei-motorige Dornier durch den Himmel über Korsika.
Sie ist die letzte ihrer Art in Deutschland. Die gut 30 Jahre alte Dornier DO 128 mit dem Kennzeichen D-IBUF dient normalerweise am Institut für Flugführung an der TU der Ausbildung von Studenten und als fliegendes Messlabor. Das Flugzeug ist beliebt in akademischen Kreisen. Regelmäßig kooperiert die TU in seiner Nutzung mit anderen Forschungseinrichtungen.
Auch große Abenteuer hat die orange-blaue Propeller-Maschine schon mitgemacht. Im Winter 1983-84 begleitete sie die Expedition des Alfred-Wegener-Instituts in die Antarktis. Aber: „Große Kampagnen wie diese machen wir selten, etwa alle drei Jahre“, beschreibt Ingenieur Rudolf Hankers den Einsatz, an dem er vor kurzem mit drei Kollegen vom Institut für Flugführung teilgenommen hat. Ihre Mission: Die Untersuchung „kleinräumiger Wettererscheinungen“ über dem nordwestlichen Mittelmeer.
„Wir kennen sowas auch aus unserer Region: Wenn in Braunschweig Nebel herrscht, in Hannover aber die Sonne scheint“, erklärt Hankers. Im herbstlichen Mittelmeer komme es häufig vor, dass bei klarem Himmel über dem Meer über einer Insel plötzlich ein Gewitter entstehe.
Die Entstehung solcher Schlechtwettergebiete zu erforschen, ist Ziel der internationalen Messkampagne „HyMeX“ (Hydrological cycle in Mediterranean Experiment). Daran beteiligt ist das Karlsruhe Institute of Technology, das das Braunschweiger Forschungsflugzeug für fünf Wochen anforderte und dafür rund 250 000 Euro an die TU überwies.
„Unser Flugzeug war für den Einsatz ideal. Es verfügt über eine hervorragende Messausrüstung, die leicht um weitere Geräte ergänzt werden kann“, meint Hankers stolz. Stationiert waren die vier Kollegen und ihr Flugzeug auf einem Militärflugplatz auf Korsika. Mit Sondergenehmigung ging es in einen Einsatz voller Extreme: Mit Sauerstoffmaske in sieben Kilometer Höhe und hinunter in den Tiefflug 30 Meter über dem Mittelmeer. „Das erfordert viel fliegerische Erfahrung und hohe Konzentration“, sagt Hankers.
Doch Hankers und Feuerle waren nicht nur als Piloten gefragt. Als Wissenschaftler waren sie auch an der Planung der Flugmuster beteiligt. Messtechnik-Experte Mark Bittner kümmerte sich um die Sensorik, zum Beispiel zur Erfassung von Wind und Turbulenz, Temperatur oder Luftfeuchtigkeit. Und Helmut Schulz übernahm die Wartung und Pflege des Flugzeugs.
Mit Hilfe der Daten der Dornier soll die Bedeutung von Inseln bei der Entstehung von Unwettern erforscht werden. Am Ende des Projekts steht die Entwicklung eines Frühwarnsystems.
Doch das wird noch Jahre dauern. „Es müssen riesige Datenmengen ausgewertet werden“, erklärt Hankers und ergänzt: „Da stecken noch etliche Diplom- und Doktorarbeiten drin.“ Vielleicht ja auch am Institut für Flugzeugführung in Braunschweig.


