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Braunschweig

Lust auf die Perle am Löwenwall

Erste Interessenten verhandeln mit der Stadt

Harald Duin

Wer schon immer mal vor hatte, in Braunschweig etwas traumhafter zu wohnen, sollte sich beeilen. Die Stadt verhandelt zurzeit mit Interessenten, die die Gerloff’sche Villla kaufen wollen.

Im Internet preist die Stadt das 1880 gebaute Privatwohnhaus mit einer Gesamtfläche von 1278 Quadratmetern so an: "Das Objekt ist gekennzeichnet durch beeindruckende Stilelemente, aufwendige Wand- und Deckenvertäfelungen, Stuck usw., die ebenso im Original erhalten sind wie die historische Einfriedung." Haben andere noch Chancen, an diese Perle zu kommen? Offensichtlich, denn die Stadt verkauft das Denkmal plus 4535 Quadratmeter "parkartiges Grundstück" gegen Höchstgebot. Eines kann man jetzt schon sagen: Man wird in diesem Falle wohl mehr als drei Millionen Euro auf den Tisch legen müssen.

Wie berichtet, ist die Veräußerung dieser Dependance des Städtischen Museums nicht von allen Braunschweigern verstanden worden. Viele trauern insbesondere um die hier aufgelöste Formsammlung aus fünf Jahrtausenden.

Wie in anderen Städten Deutschlands gehört auch in Braunschweig der Verkauf kommunaler Immobilien zum Konzept der Haushaltskonsolidierung. Nach einem Beschluss des Rates soll die Stadt sich von Liegenschaften, die "zur Erfüllung städtischer Aufgaben nicht mehr benötigt werden", trennen.

Da gibt es "schwierige" Fälle, an die keiner ran will, und hoch interessante. Das Haus Magnitorwall 11 ist so Objekt der Begehrlichkeiten. Das Gebäude wurde nach 1877 und vor 1885 als Verwaltungsbau für das damalige herzogliche Oberstallmeisteramt errichtet. Der dreigeschossige Fachwerkbau mit l-förmigem Grundriss ist sanierungsbedürftig. Manche werden sich erinnern, dass hier einst das private Schnaps & Poesie Theater beheimatet war. Zur Anlage gehören noch die in den dreißiger Jahren errichteten Garagen, die beispielsweise zu flotten Reihenhäusern aufgemöbelt werden könnten. Die Stadt bietet das Objekt für 810 000 Euro an. Nach einem Entwurf der Architektengruppe Meißner und Noll könnte hier ein "Frauenwohnobjekt auf Eigentumsbasis" entstehen – mit 13 Eigentumswohnungen plus gemeinschaftlicher Gästewohnung sowie 9 Reihenhäusern. Alles nur für Frauen? So eng wird das nicht gesehen. In dem Konzept heißt es: "Es ist gewünscht und selbstverständlich, dass zum gemeinschaftlichen Leben Kinder und Männer gehören." Die spannende Frage aber ist die, ob die Stadt der Versuchung widerstehen wird, den baumbestandenen historischen Hof für eine Bebauung zu verkaufen.

Bemerkenswert auch erste Vorstellungen, wie das Grundstück Nimesstraße 2 (ehemaliges FBZ) genutzt werden könnte. Die favorisierte Lösung: ein Luxushotel. Grund: Nach hochkarätigen Veranstaltungen in der VW-Halle sollen die Stars nicht mehr wie bisher ins "Ritz Carlton" nach Wolfsburg flüchten.

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Veröffentlicht: 05.02.2003 - 21:28 Uhr
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