Leserforum: Unsere unbekannten Fernradwege
Braunschweig Fünf größtenteils idyllische Fernradwege durchkreuzen unsere Region. Viele Radfahrer kennen sie noch gar nicht. Der ADFC sagt: Das muss sich ändern.
Wo Werra sich und Fulda küssen, entspringt nicht nur die Weser, sondern auch der 400 Kilometer lange Weser-Harz-Heide-Radfernweg.
Vom südlichen Weserbergland über den Harz bis in die Lüneburger Heide durchzieht die Route schöne Landschaften und schmucke Dörfer. Und sie durchquert die Städte Wolfenbüttel, Braunschweig und Gifhorn.
Auch andere Städte der Region genießen den Anschluss ans Fernradwegenetz: Helmstedt und Peine liegen wie Braunschweig am West-Ost-Radweg, Salzgitter mit Wolfenbüttel am Börde-Radweg. Der Iron-Curtain-Trail entlang der einstigen innerdeutschen Grenze durchquert Hornburg und Schöningen. Wolfsburg liegt wie Gifhorn am 328 Kilometer langen Allerradweg, der Weser und Elbe verbindet.
„Der Allerradweg ist gut ausgebaut, er führt durch reizvolle Wiesen und Wälder und am Kloster Wienhausen vorbei, er ist gut beschildert“, erzählt Wolfgang Harder (62), Vorsitzender und Tourenleiter des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) in Gifhorn. „Nur in Wolfsburg ist es schwierig, den Weg zu finden.“ Ein wichtiges Kriterium für einen guten Fernradweg ist laut Harder erfüllt: „Man fährt wenig Straße.“
Die fünf Fernradwege unserer Region führen vorbei an wertvollen Naturräumen und kulturellen Highlights. Sie haben alle ihren eigenen Charakter, so ist der Weser-Harz-Heide-Weg durch seine Steigungen im Harzraum auch für sportliche Fahrer interessant. Vor diesem Hintergrund ist es erstaunlich, dass viele Menschen gar nichts davon wissen, dass solch ein Radweg vor ihrer Haustür verläuft.
„Der Weser-Harz-Heide-Radfernweg ist noch nicht so bekannt“, räumt Marlis Duda, Geschäftsführerin der Tourismusgesellschaft „Südheide Gifhorn“, ein. Sie sitzt mit auf dem Podium, wenn die „Allianz für die Region“ und unsere Zeitung am 23. Oktober zum Leserforum ins Gifhorner Schloss einladen.
Die Südheide GmbH schnürt Reiseangebote für Radler. Außerdem bemüht sich Duda, die Südheide als Urlaubsregion bundesweit bekannter zu machen – eine Herausforderung. Beim Weser-Harz-Heide-Weg sei es ein Problem, dass die Übernachtungsmöglichkeiten teils weit auseinander lägen, sagt Duda.
Durch die Nähe zur Bahnlinie Goslar-Uelzen haben die Radler immerhin die Möglichkeit, abends noch in den Zug zu steigen.
„In manchen Teilstücken bei Gifhorn haben sie groben Schotter hingekippt“, bemängelt ADFC-Mann Harder. „Ein mit Packtaschen beladenes Fahrrad lässt sich da schlecht steuern und es drohen Reifenpannen.“ Die Kommune will hier nachbessern. Auch die Beschilderung ist oft noch spärlich.
Nicht so schnell beheben lässt sich aber ein anderer Missstand: Es gibt noch viel zu wenige spezialisierte Radlerherbergen, „Bed and bike“ genannt. „Braunschweig ist da ganz schlecht, es bekommt die Note 6 bei Bed-and-Bike-Betrieben“, sagt Harder. Über eine Strecke von 50 Kilometern gebe es zwischen Wolfenbüttel und Gifhorn keine solche Radlerherberge, die Kartenmaterial, Werkzeug, Abstell- und Trockenraum bereithält und die sich auch über Gäste freut, die nur eine Nacht bleiben.
„Dabei ist in der Metropolregion lange geplant, dass alle 10 Kilometer Rastplätze und alle 20 Kilometer Bed-and-Bike-Betriebe sein sollten.“
Auch in Wolfsburg ist das Angebot laut ADFC mau. Harder: „Fährt man den Allerradweg von Gifhorn aus gen Osten, kommt erst weit hinter Wolfsburg nach 41 Kilometern der erste Bed-and-Bike-Betrieb.“
Um das touristische Angebot für Radfahrer in unserer Region attraktiver und bekannter zu machen, muss also noch eine Menge geschehen. Harder: „Wir wollen alle Radtourismus, aber was dafür getan wird, ist bescheiden.“
Informationen
Ein Leserforum zum Aufbau eines Aktiv- und Fahrradresorts im Norden unserer Region veranstaltet unsere Zeitung zusammen mit der Allianz für die Region am 23. Oktober im Gifhorner Schloss, 18 Uhr. Am Rande der Veranstaltung können E-Bikes ausprobiert und am Stand des ADFC Fragen gestellt werden.
Das Aktivressort gehört zu den Projekten, mit denen diese Region zur „Erlebnisregion 2020“ weiterentwickelt werden soll. Neue Angebote im Bereich Fahrradtourismus, Wellness und Abenteuer sind geplant.
Der Zustand des Radwegenetzes ist ein weiterer Diskussionspunkt: Wo fehlen Verbindungen, wo müssen die Verantwortlichen handeln?
Auf dem Podium sitzen: Marion Lau (Gifhorner Landrätin), Manfred Günterberg (Wolfsburg AG), Marlis Duda (Südheide Gifhorn GmbH), Gert Recke (Tourismus-Investor), Jens Palandt (Erster Verbandsrat im Großraumverband), Thomas Roth (stellvertretender Chefredakteur).
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