Lebensgefährlich – Pfefferspray nur in Notwehr erlaubt
Braunschweig Wer sprühte in der Silvesternacht gegen 4 Uhr im „Dax“ mit Pfefferspray und verletzte 25 Personen? Die Polizei hat noch keinen Hinweis auf den Täter.
Das sagt der „Dax“-Chef
Dax-Geschäftsführer Martin Müller rätselt und ist verärgert nach dem neuerlichen Zwischenfall in seiner Diskothek. „Es ist schon merkwürdig: Immer nur trifft es uns“, sagte er gestern unter Hinweis auf ähnliche Anschläge mit Buttersäure. Für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, möchte der 61-Jährige eine Belohnung von 1500 Euro aussetzen. „Ich bedauere den Vorfall und lade die Geschädigten ein, sich am Freitag oder Samstag beim Security-Personal zu melden. Dann gibt es für alle einen Gratis-Cocktail.“
Ist Pfefferspray erlaubt?
Dazu erklärt Rainer Keunecke, Sprecher der Stadtverwaltung: Reizstoffsprühgeräte mit Pfefferspray müssten über ein amtliches Prüfzeichen verfügen und sie unterlägen dann dem Waffengesetz. Bisher seien am Markt solche Geräte allerdings nicht erhältlich. „Es gibt also derzeit kein ,Pfefferspray’, das ein amtliches Prüfzeichen trägt und damit als Reizstoffsprühgerät zur Anwendung am Menschen zugelassen wäre.“
Welche Sprays sind erhältlich?
Auf der anderen Seite seien Reizstoffsprühgeräte im Handel, die für den Einsatz gegen Tiere vorgesehen seien. Keunecke: „Diese Sprays unterliegen den Vorschriften des Waffengesetzes nicht. Sie sind frei für jedermann und ohne Altersbeschränkung erhältlich.“ Ihr Einsatz gegen Menschen stelle allerdings eine gefährliche Körperverletzung dar und werde strafrechtlich verfolgt, sofern nicht ein Rechtfertigungsgrund wie Notwehr vorliegt.
Wann liegt Notwehr vor?
Pfefferspray darf nur in Notwehr eingesetzt werden. Das heißt: Wird jemand von einer Person angegriffen und hat zufällig Pfefferspray dabei, darf er es einsetzen – falls es keine andere Möglichkeit gibt, den Angriff abzuwehren. Dazu Polizeisprecher Thomas Geese: „Denkbar ist der Fall, dass eine Joggerin überfallen wird und niemand da ist, der helfen könnte.“
Wie wirkt Pfefferspray?
Der in Pfefferspray verwendete Reizstoff ist Oleoresin Capsicum. Dabei handelt es sich um einen aus den trockenen, reifen Früchten von Chilli oder Cayenne-Pfeffer gewonnenen Scharfstoff. Bei Kontakt mit der Haut kann es intensive Hautrötungen und -schwellungen geben.
In den Augen führt es zu starkem Tränenfluss und einer temporären Erblindung von bis zu 30 Minuten. Das Opfer leidet unter Hustenanfällen, Atemnot, Krämpfen im Oberkörper bis hin zu Erstickungsanfällen, die bei empfindlichen Menschen wie Asthmatikern zum Tode führen können.
Wer kauft Pfefferspray?
Apotheker Jörg Porsiel erklärt, man habe Pfefferspray seit kurzem im Sortiment, weil es vermehrt nachgefragt werde – fast immer von jungen Frauen, die sich mit der kleinen Dose in der Handtasche sicherer fühlten, etwa im Parkhaus. Nach Absprache mit der Polizei kläre man die Kunden darüber auf, dass das Spray nur im Notfall benutzt werden darf.
Gibt es öfter Pfefferspray-Vorfälle?
In Braunschweig gab es in den letzten Monaten mehrfach Pfefferspray-Ärger. Für größeres Aufsehen sorgte eine Pfefferspray-Attacke Anfang Oktober 2012 in einer Schule, als ein 15-Jähriger im Treppenhaus sprayte. 48 Personen wurden verletzt.
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