Wo die CDU stark verlor, legte die SPD kräftig zu
Braunschweig Im Land herrschte Rätselraten über die politischen Kraftverhältnisse bis in die Nacht. In Braunschweig war schon früh klar: Rot-Grün ist das Maß der Dinge.
Gemeinsam zogen sie jede zweite Wählerstimme – und sogar noch einige mehr. Die SPD ist nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis mit 33,4 Prozent zurück als stärkste politische Kraft in der Stadt. Und die Grünen sind mit einem Stimmenzuwachs von 7,6 Punkten die Gewinner des Abends.
Die CDU indes stürzte auf unter 30 Prozent ab. Minus 7,2 Prozentpunkte – oder in absoluten Zahlen: Die Union hat im Vergleich zur letzten Landtagswahl vor fünf Jahren mehr als 5200 Wähler verloren.
Die eigene Stammklientel hat den Christdemokraten vor allem den Rücken gekehrt. Überdurchschnittlich eingebüßt hat die Union vor allem dort, wo sie traditionell stark verwurzelt ist: Minus 9,9 Punkte in Wenden-Thune-Harxbüttel, dem Heimspielfeld der Kreisvorsitzenden Heidemarie Mundlos. Minus 8,7 Punkte in Volkmarode und Dibbesdorf. Minus 8,4 Punkte im Stadtbezirk Wabe-Schunter-Beberbach. Und das alles trotz gestiegener Wahlbeteiligung in den genannten Gebieten, die landläufig eher konservativen Parteien zugute kommt.
Fast ins Bodenlose fiel die Union im Östlichen Ringgebiet: Mit 22,0 Prozent ist sie dort nur noch dritte Wahl, hinter SPD (31,3) und Grünen (29,5).
Die SPD profitierte unmittelbar vom Wahldesaster des direkten politischen Kontrahenten und legte überdurchschnittlich zu, wo die CDU bei der letzten Wahl besonders stark war, wie etwa in der Weststadt, in Volkmarode oder in Wabe-Schunter-Beberbach. Starken Stimmenzuwachs verzeichneten die Sozialdemokraten auch in Broitzem sowie in Rüningen, wo sie mit 40,8 Prozent ihr bestes Ergebnis holten.
Wenig Profit konnte die SPD indes aus den starken Verlusten der Linken in deren Hochburgen schlagen. Vor fünf Jahren noch war die SPD dort erster Stimmenlieferant für den Aufstieg der Linken gewesen. Insgesamt gewann die SPD diesmal 5300 Stimmen hinzu.
Die Grünen haben in der Spitze zugelegt, sich aber auch in der Breite stabilisiert. Die Partei blieb einzig in der Weststadt unter der Zehn-Prozent-Marke – und das hauchdünn. Aber selbst dort, wo traditionell die beiden großen Parteien die Stimmen ziehen, haben sie ihren Anteil gegenüber der letzten Wahl mehr als verdoppelt. Dieses Kunststück gelang ihnen auch in Stöckheim, Heidberg-Melverode, Veltenhof sowie in und um Thune, wo weiter die politische Auseinandersetzung um die Erweiterung des Nuklearunternehmens Eckert & Ziegler gärt. Die FDP blieb stadtweit auf dem Niveau von vor fünf Jahren, die Linken verloren mehr als die Hälfte an Zustimmung, büßten über 5000 Stimmen ein.
Mit der Wahlbeteiligung in Braunschweig ging es wieder leicht bergauf. 59,9 Prozent der Wahlberechtigten warfen ihre Stimmzettel in die Urne. Die eifrigsten Wähler gab es in Volkmarode – drei von vier stimmten dort mit. Die meisten Nicht-Wähler indes leben in der Weststadt. Nur vier von zehn kreuzten mit.
Lesen Sie zum Wahlausgang auch den Kommentar von Henning Noske.
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Der Vorschuss der Wähler
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