„Schwarz-Gelb hat für die Region nichts getan“
Braunschweig Wer gab eigentlich den Gabriel, wer den Weil? Beim Neujahrsempfang der SPD Braunschweig am Montagabend in der VW-Halle glichen sich die beiden einander in Temperament und Schärfe an.
SPD-Parteichef Sigmar Gabriel polterte nicht mehr so sehr, wie er es früher zuweilen tat, der noch etwas unbekannte McAllister-Herausforderer Stephan Weil gewinnt zunehmend an Kontur.
Beide machten nach einem Grußwort des SPD-Unterbezirksvorsitzenden und Landtagskandidaten Christoph Bratmann klar, worum es der SPD bei einem Machtwechsel in Hannover gehen soll: Bildung und die Stärkung der Regionen. Vor allem unsere Region, die nach Meinung von Gabriel und Weil in den vergangenen zehn Jahren von Ministerpräsident Christian Wulff und seinem Nachfolger David McAllister vernachlässigt wurde, soll wieder stärker gefördert werden.
Weil erklärte, dass er in den vergangenen zwölf Monaten viel im Braunschweiger Land unterwegs war. Er habe viel mit den Leuten gesprochen. Er lobte die „Kraftzentren“ Braunschweig und Wolfsburg. Dahinter klaffe aber eine große Lücke. „In Helmstedt, in Gifhorn, in Goslar und anderswo machen sich die Bürgermeister und Landräte Sorgen um Krankenhäuser und um das soziale Netz, um den Fachkräftemangel. Die Bevölkerung wird älter und älter“, sagte Weil. „Was hat Schwarz-Gelb in den vergangenen zehn Jahren eigentlich für das Braunschweiger Land getan? Nichts!“ Schon rein auf dem Papier würde das unter ihm anders sein, versprach Weil. Er will den Salzgitteraner Peter-Jürgen Schneider und den Gifhorner Detlef Tanke in sein Kabinett holen.
Weil trat während seiner Ansprache gar nicht erst ans Rednerpult, sprach aus dem Stehgreif und traf den Nerv seiner etwa 300 Parteimitglieder und SPD-Symphatisanten, darunter Braunschweigs Domprediger Joachim Hempel. Die Besucher dankten mit lang anhaltendem Applaus. Minutenlang war er allerdings nicht, es war ja auch kein Parteitag.
Gabriel nahm den Regions-Gedanken Weils wieder auf. Und da war er kurz, der Polter-Gabriel: „Das Braunschweiger Land war in der Landesregierung nicht mehr als eine Briefkastenadresse.“ Dann bezeichnete Gabriel die Regierung McAllister als „größte norddeutsche Nichtregierungsorganisation“. Die Genossen johlten. Gabriel sprach von einem extremen Ungleichgewicht im Land, der Nordwesten entwickele sich immer besser, der Südosten hinke immer weiter zurück. Als Beweis zitierte Gabriel aus dem Zukunftsatlas der Prognos AG.
Dann widmete sich auch Gabriel dem Thema Bildung. Schwarz-Gelb warf er vor, dass seit 2003 rund 200.000 Studenten Niedersachsen wegen der Studiengebühren verlassen hätten. Gabriel: „Viele sind nicht mehr wiedergekommen.“ Er kündigte an, dass Bildung auch ein zentrales Thema im Bundestagswahlkampf wird.



