Klinikum schlägt Vergleiche vor
2002-11-15T21:07:10+0100Außenstände betragen noch 19 Millionen Euro
Nach dem Abrechnungsstau Ende 2001 hat das Städtische Klinikum seine Außenstände aus den Jahren 1997 bis 2001 inzwischen von 30 Millionen auf 19 Millionen Euro gesenkt. Diesen noch offenen Forderungen gegenüber den Krankenkassen liegen rund 8000 Behandlungen zugrunde. Über die noch ausstehende Summe will das Klinikum mit den Kassen nun Generalvergleiche schließen.
"Wir hoffen, dass auch den Krankenkassen daran gelegen ist, erbrachte Leistungen noch in diesem Jahr zu vergleichen und zu bezahlen", sagt Helmut Schüttig, Verwaltungsdirektor des Klinikums.
Das Klinikum wolle zu angemessenen Ergebnissen kommen, zugleich aber die Belastung von Verwaltung und Ärzten verringern, begründet Gesundheitsdezernent Dr. Bernd Gröttrup diese Entscheidung, die das Rechnungsprüfungsamt positiv bewerte. "Wir können uns den Verwaltungsaufwand rückwirkend nicht leisten." Denn die Vorbereitung auf das ab 2004 geltende Abrechnungssystem nach Fallpauschalen und die damit einhergehende zusätzliche Dokumentation binde Kräfte.
Drohende Verjährung
Außerdem: Zum Jahresende könnte für einige Jahrgänge Verjährung drohen, so dass das Klinikum – würde es sich nicht vergleichen – die Verjährung durch Klagen unterbrechen müsste. "Das wäre ein enormer Aufwand." Generalvergleiche sind Gröttrup zufolge auch deshalb geboten, weil bei den Einzelfällen aus Sicht der Kassen nicht alle Forderungen nachvollziehbar seien.
Keine Belastung für Zukunft
Wie Helmut Schüttig betont, "führen die angestrebten Vergleiche zu keiner wirtschaftlichen Belastung für die Zukunft". Die Bilanz für 2001 habe diese Risiken bereits berücksichtigt. Schüttig rechnet damit, "auf nicht unerhebliche Teile der Forderung verzichten zu müssen".
Ende 2001 waren die Außenstände wegen Mangels an Personal und EDV-Kapazität, Fluktuation bei Leitungspositionen und einer "zu spät erkannten Fehldisposition der Urlaubszeiten", wie es damals seitens der Verwaltung hieß, hochgeschnellt. "Nun sind wir auf einem guten Weg", sagt Gröttrup.
"Rechnungen werden im Schnitt zehn Tage nach Entlassung des Patienten aus dem Krankenhaus gestellt", erläutert Schüttig. Erhalte das Klinikum von den Krankenkassen nicht binnen 30 Tagen das Geld, werde es gegebenenfalls eingeklagt.
Gleichwohl weist Gröttrup darauf hin, dass die Auseinandersetzungen zwischen Krankenkassen und Krankenhäusern angesichts leerer Kassen härter und damit von beiden Seiten verwaltungsaufwändiger geworden seien – mit der Folge, dass "die Außenstände in Krankenhäusern generell gewachsen sind".


