Klinikum plant Umstieg auf Fallpauschalen
2003-01-03T21:01:20+0100Antrag auf Einführung des neuen Abrechnungssystems schon 2003 – Krankenhaus will Null-Runde entgehen
Um der beschlossenen Null-Runde bei den Krankenhausbudgets auszuweichen, hat das Städtische Klinikum beantragt, früher als geplant auf das neue Abrechnungssystem nach Fallpauschalen umzusteigen. Denn nur Krankenhäuser, die bereits 2003 in einer budgetneutralen Erprobungsphase das so genannte DRG-System einführen, können mit einer Budgeterhöhung von 0,81 Prozent rechnen – was im Falle des Klinikums 1,5 Millionen Euro mehr ausmacht.
Wie Verwaltungsdirektor Helmut Schüttig gestern in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann sagte, würde jedoch auch diese EinnahmeErhöhung nicht den Anstieg der Personalkosten ausgleichen. Dazwischen klaffe eine Millionenlücke. Nach jahrelangen Rationalisierungen stünden "die Krankenhäuser in Deutschland nun mit dem Rücken an der Wand". Hoffmann forderte Klarheit für die Krankenhäuser. "Wir wünschen uns eine Gesundheitsreform aus einem Guss."
Anders als zum Beispiel die Kliniken Herzogin-Elisabeth-Heim (HEH), die seit langem den Umstieg im Januar 2003 geplant haben, wollte das Klinikum das neue Abrechnungssystem ursprünglich erst 2004 einführen. Ein Grund: Außenstände aus früheren Jahren müssen noch abgerechnet werden.
Sowohl HEH-Geschäftsführer Dieter Kaffke wie auch Helmut Schüttig erklären, dass das neue Abrechnungssystem für Patienten zunächst keine spürbaren Veränderungen mit sich bringen wird. Die Verweildauer im Klinikum liege mit neun Tagen ohnehin unter dem bundesweiten Schnitt von zehn Tagen, so Schüttig. Liegezeiten würden sich künftig möglicherweise um ein bis zwei Tage verkürzen.
Die Einführung des Fallpauschalensystems nennt Schüttig "die größte Herausforderung des nächsten Jahres". Um wirtschaftlicher arbeiten zu können, wurde mit der Umwandlung in eine gemeinnützige GmbH, die im August vollzogen werden soll, laut Hoffmann eine wichtige Weiche gestellt. Das Klinikum erhalte größere wirtschaftliche Selbstständigkeit, Entscheidungswege würden kürzer und schneller. Ein Haus mit 1600 Betten und 3600 Beschäftigten müsse wie ein Wirtschaftsbetrieb geführt werden. Die Patienten indes würden von diesen Strukturänderungen nichts merken.
Laut Schüttig muss das Klinikum unter anderem darüber nachdenken, nicht patientennahe Bereiche auszugliedern, Behandlungsabläufe zu standardisieren, Ressourcen klinikübergreifend zu nutzen und mit anderen Krankenhäusern zusammenzuarbeiten. Mit dem Zwei-Standorte-Konzept als Zukunftsvision – die Zielplanung soll im Mai vorliegen – verbinde sich das Ziel, die medizinische Versorgung zu verbessern und die Infrastrukturkosten auf die Häuser Celler Straße und Salzdahlumer Straße zu konzentrieren.


