Kino gegen Kippen und Komasaufen
Braunschweig So unterhaltsam kann Suchtprävention sein: Verteilt auf zwei Tage verbrachten 1800 Schüler einen Vormittag im C1-Kino anstatt in der Schule.
Monique war 11 Jahre alt, als sie mit dem Rauchen anfing. Warum? „Ach, weil alle das gemacht haben“, sagt sie achselzuckend. Gestern besuchten Monique und ihre Klasse die Jugendfilmtage, die im C1 gestern begonnen haben und heute enden. Dass Alkohol und Zigaretten ihre Gesundheit gefährden, ist der heute 14-jährigen Schülerin aus Braunschweig klar. „Aber am Wochenende trinken und rauchen wir alle regelmäßig“, verrät sie.
Insgesamt 1800 Schüler aller Schulformen aus der Region Braunschweig besuchten dieses Jahr die Jugendfilmtage, so viele wie noch nie. Vor den Filmvorführungen konnten die Schüler an Info-Ständen im Foyer ihr Wissen über Nikotin und Alkohol testen.
Während sich nur wenige Schüler für das gedruckte Info-Material interessierten, war der Andrang bei den Mitmachaktionen groß. Thomas Seliger vom Jugendamt betreute die Mitmachaktion „Promille-Run“. Er erklärte den Schülern, dass die aufgesetzte Spezialbrille einen Rausch simuliere, und zwar zwischen 0,8 und 1,2 Promille. „Ihr werdet merken, dass ihr eure Handlungen nicht mehr genau kontrollieren könnt“, erklärte Seliger vorab.
Der 14-jährige Maxim war trotzdem erstaunt, als er es mit der Brille auf der Nase nicht schaffte, auf dem vorgezeichneten Strich zu laufen. Auch Monique probierte die Brille aus und stellte fest: „Das fühlt sich nicht gut an, keine Kontrolle zu haben.“
Unbekannt ist, wie viele Jugendliche in Braunschweig wirklich regelmäßig trinken oder rauchen. Sozialdezernent Ulrich Markurth schätzte jedoch, dass im Schnitt an jedem Wochenende ein Jugendlicher durch Alkoholkonsum in einem der Braunschweiger Krankenhäuser lande – in einem klinisch bedrohlichen Zustand. Laut einer Befragung von 2011 würden sich jedoch weniger Schüler bewusst einen Rausch antrinken als in den Jahren zuvor. Trotzdem bleibe es wichtig, weiterhin über die Gefahren von Suchtmitteln aufzuklären.
Manfred Feyk, Lehrer an der Freien Waldorfschule in Braunschweig, war mit zwei 8. Klassen vor Ort. „Gerade die Mitmachaktionen kommen gut an, denn dabei erfahren die Schüler selbst, was der Alkohol mit ihnen macht“, sagte er. Es sei jedoch wichtig, nach einer solchen Aktion in der Schule beim Thema am Ball zu bleiben – was mehrere Lehrer bestätigten.
Die Jugendfilmtage sind eine Kooperationsveranstaltung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, der Stadt Braunschweig, des Arbeitskreises Suchtprävention und des C1. Sie bilden den Auftakt für das Aktionsjahr Sucht 2013. Ab Januar wird es monatliche Veranstaltungen dazu geben.
• Infos zum Aktionsjahr Sucht: www.aktionsjahr-sucht-2013.de
• Drogenberatung: www.paritaetischer-bs.de/drogen-und-sucht/drobs-braunschweig
