Kinderlärm bei „Erna & Käthe“ – Anwohner drohen mit Klage
Braunschweig Zu laut, zu viele Kunden – so lauteten die Vorwürfe. Aber auch die Inhaber des Cafés sammelten bereits 1400 Unterschriften von Unterstützern.
Tische und Stühle neben dem Bürgersteig, plaudernde Eltern, tobende Kinder – einigen Anwohnern in der Heinrichstraße ist das zu viel. Jetzt drohen sie den Inhaberinnen des Cafés „Erna & Käthe“ mit einer Klage. Besonders die Außensitzplätze sorgen für Unmut.
Bei schönem Wetter stellen Andra Peters und Jacqueline Lippold Tische und Stühle neben den Gehsteig der Heinrichstraße vor „Erna & Käthe“. Vor allem junge Familien bleiben dann vor dem Café stehen – die Eltern trinken Kaffee und essen ein Stück hausgemachten Kuchen. Die Kinder genießen „Frozen Yogurt“, eine Speiseeis-Variante aus Joghurt.
„Wir reden hier über drei bis vier Stunden pro Tag – und auch nur im Hochsommer“, sagt Lippold. Ihr kleiner Laden ist lediglich nachmittags geöffnet. „Trotzdem lehnen einige Anwohner das Café ab – wegen der Lärmbelästigung“, erklärt die zweite Inhaberin Andra Peters den Grund für den Streit.
Die Liste der Vorwürfe ist lang: Die Kunden blockierten den Gehweg und den Zugang zum Wohnhaus, in dem sich das Café befindet, heißt es aus der Nachbarschaft. Störende Düfte aus der Back-Küche, psychischer Stress, sogar von Sachbeschädigung durch randalierende Kunden ist die Rede. Bei der Stadt gingen Beschwerden wegen Lärm- und Geruchsbelästigung durch Zigarettenrauch ein.
Verwaltung: Café hält alle gesetzlichen Vorgaben ein
„Die Stadt hat die Einhaltung der gesetzlichen Lärmwerte und der Abstände von Tischen und Stühlen zur Straße kontrolliert und keine Beanstandungen festgestellt“, sagt Stadtsprecher Adrian Foitzik. Zwar würden die Kontrollen fortgesetzt, und die Inhaberinnen wurden noch einmal auf die Einhaltung der Werte hingewiesen, doch sähe die Stadt keinen Grund, einzuschreiten.
Dennoch wurde den Inhaberinnen von Anwohnern eine Klage angedroht. Nun fürchten sie, dass die jährliche Genehmigung der Stadt zur Nutzung des Außenbereichs nicht verlängert werden könnte. „Jeder kann sich ausmalen, dass ein Geschäft, das in den Sommermonaten für die Wintermonate mitwirtschaften muss, auf Außensitzmöglichkeiten angewiesen ist“, schreiben Peters und Lippold in einem offenen Aufruf an ihre Unterstützer in der Nachbarschaft. Sie fürchten das Aus für ihren Laden, der im Inneren nur wenig Platz für Gäste bietet.
Was nach einer kleinen Streitigkeit unter Nachbarn klingt, hat sich zu einem Gesprächsthema im ganzen Viertel entwickelt. Der Laden ist beliebt, vor allem bei jungen Familien und den Schülern der nahe gelegenen Schulen.
„Ich werde den Mädchen doch nicht ihre Existenz zerstören“
Eine Unterschriftenliste für das Café wurde innerhalb von zwei Wochen von mehr als 1400 Unterstützern unterschrieben. Der Hilfeaufruf auf der Facebook-Seite von „Erna & Käthe“ im Internet wurde mehr als 200 Mal geteilt. „Gerade solche kleinen Läden machen das Viertel doch erst gemütlich!“, schreibt einer der vielen aufgebrachten Kommentatoren auf der Seite.
Die Inhaberinnen lockten im Internet fremde Leute ins Viertel, beklagt eine Stimme aus der Heinrichstraße den Aufruf bei Facebook. Sie hofft nun, dass eine Eigentümerversammlung im November den Vermieter des Ladens auffordert, den Inhaberinnen zu kündigen.
Der jedoch lehnt das ab. „Ich werde den Mädchen doch nicht ihre Existenz zerstören“, erklärt Vermieter Konrad Riedel empört. Er habe alle Eigentümer vor Eröffnung über das Café informiert. Riedel will für die Inhaberinnen kämpfen: „Notfalls werde ich ihnen den Laden verkaufen.“
Jacqueline Lippold und Andra Peters hoffen, dass sich der Streit ohne Klage beilegen lässt. Der große Zuspruch aus der Nachbarschaft hat sie ermutigt. „Unser Laden ist zu einem richtigen Treffpunkt für das Viertel geworden.“

