Jugend forscht: Von der Praxis zum Patent
Braunschweig Er ist der größte Jugend-Wettbewerb seiner Art: Beim diesjährigen „Jugend forscht“- gab es so viele Anmeldungen und tolle Ideen wie noch nie.
Ein Herzschrittmacher, der nie mehr ausgetauscht werden muss, weil er seine Energie aus einem kleinen Kristall zieht. Diese Idee könnte für viele Menschen, die einen Herzschrittmacher tragen müssen, eine kleine Revolution bedeuten. Es könnte das Ende risikoreicher Folgeoperationen bedeuten, da die Batterien, die heute in Herzschrittmachern integriert sind, rund alle sieben Jahre schlapp machen und ausgetauscht werden müssen. Die Idee stammt jedoch nicht von erfahrenen Wissenschaftlern, sondern von der 18-jährigen Marijke Siemens vom Braunschweiger Wilhelm-Gymnasium. Gemeinsam mit rund hundert anderen Schülern nahm sie am diesjährigen „Jugend forscht“-Regionalwettbewerb teil.
Am Samstag stellten die Teilnehmer ihre Projekte in der Braunschweigischen Landessparkasse vor. Schüler aus der gesamten Region konnten sich in sieben Sparten qualifizieren: Arbeitswelt, Biologie, Chemie, Geo- und Raumwissenschaften, Mathematik und Informatik, Physik und Technik.
Marijke trat mit ihrem Projekt „Crystal Heart“ in der Kategorie „Arbeitswelt“ an. Die Idee zu dem Projekt kam ihr, nachdem sie im vergangenen Jahr die Nano-Akademie in Darmstadt besucht hatte – als Gewinnerin des Landeswettbewerbs „Jugend forscht“ 2011. „Besonders bei Kindern ist es sehr problematisch, dass die Herzschrittmacher so oft ausgetauscht werden müssen“, sagt sie. „Ich wollte eine alternative Energiequelle finden, so dass weitere Operationen vermieden werden können“, erinnert sich die Schülerin
In Darmstadt lernte sie sogenannte Piezokristalle kennen. „Die Kristalle haben die Eigenschaft, dass sie, wenn Druck auf sie ausgeübt wird, Spannung erzeugen.“ Eingebaut in einen Herzschrittmacher übt das Herz diesen Druck aus – und die Kristalle laden dadurch die Batterien auf. Obwohl es noch einiger weiterer medizinischer Tests bedarf, bis klar ist, ob diese Idee sich tatsächlich auch in der Praxis durchsetzen kann, hat die Schülerin ein Patent darauf angemeldet. Im Regionalwettbewerb brachte ihr die Erfindung den ersten Platz in ihrer Kategorie ein.
Andreas Boelter, Lehrer und Regionalwettbewerbsleiter ist froh, dass sich auch in diesem Jahr so viele Schüler für den Wettbewerb begeistern konnten. „Alle 79 Projekte, die hier präsentiert werden, sind ein Beweis dafür, wie klug und motiviert unsere jungen Leute in der Region sind“, sagt er. „Von Göttingen bis Helmstedt und Holzminden, von überall her haben sich Schülergruppen angemeldet, so viele wie noch nie“, so Boelter. Bis zu einem Jahr würden die Schüler und ihre Betreuer sich auf den Wettbewerb vorbereiten und das außerhalb des Stundenplans. „Es ist klar, dass diese Bereitschaft, sich zu engagieren, uns Hoffnung gibt: Dem Fachkräftemangel von morgen können wir entgegen treten, indem wir versuchen, die Jugend von heute für naturwissenschaftliche und technische Themen zu begeistern.“ Der Wettbewerb biete dafür die idealen Voraussetzungen, da die Teilnehmer hier erleben würden, dass man sie und ihre Ideen – anders als teils im Alltag – ernst nehme und würdige.
Parallel zum „Jugend forscht“-Wettbewerb fand der Regionalwettbewerb „Schüler experimentieren“ für die Neun- bis 14-Jährigen statt. Die Regionalsieger der jeweiligen Kategorien präsentieren ihre Projekte im März beim Landeswettbewerb.
