Die größte Baustelle der Stadt Braunschweig
Millionenprojekt Brawo-Park Volksbank investiert 110 Millionen Euro in Büro- und Handelspark – Neues Hotel für 20 Millionen Euro
Natürlich haben die Hoteliers in der Stadt geschimpft, freilich hat der Handel in Bahnhofsnähe nicht gejubelt. Doch sonst klatschten fast alle Beifall für den Plan vom Brawo-Park, die maßgeblichen Interessenvertreter und Entscheidungsträger in der Stadt und auch viele Bürger – Beifall, wie er für ein 130 Millionen-Projekt eher unüblich ist.
Die Volksbank Braunschweig-Wolfsburg hat auf dem ehemaligen Postareal am Hauptbahnhof die größte Baustelle der Stadt aufgemacht.
Das Bankhaus ist Namensgeber und Hauptfinanzierer, investiert 110 Millionen Euro in markante Bürogebäude und ein Fachmarktzentrum auf einem Gelände, das zehn Fußballfelder misst. Für weitere 20 Millionen Euro wird die Steigenberger-Gruppe ein Intercity-Hotel mit 320 Betten und vier Tagungsräumen bauen lassen.
Bis 2015 wird auf dem Grundstück nördlich des Bahnhofs fast nichts mehr so aussehen wie bisher. Bestehen bleibt allein die sogenannte Toblerone, der 60 Meter hohe Dreiecks-Büroturm, mit ihren beiden Seitenflügeln. 18 000 Quadratmeter Bürofläche, die bereits vollständig vermietet und schon weitgehend genutzt sind. Rund 2000 Menschen sollen dereinst auf dem Areal arbeiten.
Seit Herbst 2010 beplant die Volksbank das Gelände. Anfangs gegen nicht unerhebliche Widerstände: Allein die vorgesehene Einzelhandelsfläche von 28 500 Quadratmetern hatte Schloss-Format und rief die Kaufmannschaft und die Vorderen der Handelskammer auf den Plan.
Als es zwischenzeitlich still um das Projekt wurde, glaubten viele in der Stadt, man habe sich womöglich an der Idee verhoben. Umso effektvoller war die Präsentation der überarbeiteten Planung in diesem Sommer. Die Handelsfläche mehr als halbiert, die Bürofläche deutlich ausgeweitet – das versöhnte auch die Braunschweiger Kaufleute.
Mittlerweile ist ein Großteil der alten Posthallen bereits dem Erdboden gleichgemacht. Im Frühjahr sollen die Abrissarbeiten beendet sein. Schon in wenigen Tagen will die Volksbank die von HBK-Studenten entworfene überdimensionale Video-Licht-Installation auf dem Dach der Toblerone in Betrieb nehmen. Wie ihr Vorbild auf dem Dortmunder U-Turm soll sie zu einem neuen Wahrzeichen der Stadt werden, hoffen die Verantwortlichen.
Die Einzelhändler und Nahversorger in der Nachbarschaft blicken weiter mit Skepsis auf die großen Pläne. Ein Gutachten prophezeit den Kaufleuten im weiteren Bahnhofs-Umfeld zehn bis zwölf Prozent Umsatzverlust durch die neue Konkurrenz. Und die Hoteliers sehen mit Argwohn, dass neben dem neuen Vier-Sterne-Plus-Haus am Bürgerpark und dem geplanten Kongress-Hotel an der Stadthalle ein weiterer Betrieb um die Gunst potenzieller Braunschweig-Besucher buhlt.
