Immer mehr Banden – Zahl der Einbrüche nimmt dramatisch zu
Braunschweig Die Polizei schlägt Alarm: Die Zahl der Haus- und Wohnungseinbrüche nimmt dramatisch zu.
In diesem Jahr wurden bereits 392 Fälle angezeigt, bis Ende Dezember wird die Rekordzahl der Vorjahre (2010: 406) aller Voraussicht nach deutlich übertroffen.
Denn die gefährliche dunkle Jahreszeit fange ja jetzt erst an, sagt Polizei-Sprecher Joachim Grande. „Es sieht nicht rosig aus“. Mit einer Kampagne möchte die Polizei die Bürger sensibilisieren. Erster Tipp: Nach dem Verlassen des Gebäudes Fenster und Türen abschließen. Das mache es zumindest dem Gelegenheitseinbrecher etwas schwe rer.
Leider, so Grande weiter, entsprächen Türen und Fenster oft nicht dem Sicherheitsstandard, weil Bauträger Sicherheitsaspekte wie einbruchsichere Scheiben und Türschlösser aus Kostengründen nicht berücksichtigten.
Warum steigen die Einbruchzahlen?
Die Polizei geht davon aus, dass auch durch die längeren Ladenöffnungszeiten (bis 22 Uhr) dazu beitragen. „Haus- und Wohnungseigentümer sind ganz einfach viel öfter als früher abends abwesend. Dadurch haben die Täter mehr Möglichkeiten“, weiß Cordula Müller, Leiterin der Polizeiinspektion.
Wer sind die Täter?
Laut Polizeistatistik sind die Einbrecher im Schnitt 18 bis 40 Jahre alt, männlich, überwiegend deutschsprachig. Und: Es bilden sich immer mehr Banden – wie jene aus der Weststadt, die sich momentan vor dem Landgericht verantworten muss. „Das war zuerst eine Gruppe von 10 bis 15 Leuten. Inzwischen sind es rund 30 Personen, die wiederum verschiedene Untergruppierungen gebildet haben“, weiß Henning Kaufmann, Leiter des ermittelnden Fachkommissariats. Wenn die erstmal erkannt hätten, „wie einfach es ist, einzubrechen, Sachen herauszuschleppen und abzusetzen“, gebe es kein Halten mehr. Wobei die neuen Mitglieder schnell von den alten lernten. „Gemeinsam setzt man sich morgens ins Auto, um Objekte auszuspähen.“
So werden Objekte ausgespäht
Ausgespähte Haus- und Wohnungsbesitzer werden nach Erkenntnissen der Polizei unmittelbar vor dem Einbruch angeklingelt oder angerufen. Wenn niemand reagiert, bedeute dies: Die Luft ist sauber, es kann losgehen! Leider, so Cordula Müller, komme es bei älteren Menschen vor, dass sie das Türklingeln oder das Telefon überhören. Mit schlimmen Folgen: Denn urplötzlich ständen sich Täter und Opfer gegenüber – und das sei für beide Seiten eine gefährliche Stress situation.
So gelangen die Täter ins Haus
Die Vorgehensweisen, sagt Henning Kaufmann, seien sehr unterschiedlich. „Aktuell werden bevorzugt Kellerfenster eingeschlagen oder Fenster mit schweren Gegenständen, etwa Steinen, eingeworfen. Das gibt dann zwar einen kurzen lauten Knall, den Anwohner hören, aber nicht zuordnen können. Anschließend hört man aber nichts mehr, denn die Scheibe ist ja zerstört. Alles ist wieder ruhig.“ Das sei für die Täter eine sichere Methode.
Das rät die Polizei
Einbrecher fallen auf, wenn man nur Augen und Ohren offenhält, rät die Polizei: wenn etwa Autos mit auswärtigen Kennzeichen mehrmals langsam durchs Wohngebiet fahren, Fremde an einem Haus läuten. Cordula Müller: „Wer so etwas bemerkt, sollte sofort die 110 anrufen, um Verdächtiges zu melden. Denn wenn jemand ein Fenster aufbricht, ist es meist schon zu spät.“


