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Braunschweig

Hoffmann: Respekt vor einer anderen Religion

Oberbürgermeister zum Besuch bei Milli Görüs – "Wir müssen unseren muslimischen Gemeinden mehr Öffentlichkeit verschaffen"

Die Integration muslimischer Mitbürger sei eine große Herausforderung für die Kommunalpolitik, sagt Oberbürgermeister Gert Hoffmann nach seinem Besuch bei der vom Verfassungsschutz beobachteten Gruppe Milli Görüs im Interview mit Ralph-Herbert Meyer

Die Reaktionen der Fraktionen auf Ihren Besuch bei Milli Görüs waren eher verhalten. Große Zustimmung sieht anders aus. Wie begründen Sie denn Ihre Teilnahme?

Die Stellungnahmen der Fraktionen zu meinem Besuch waren doch sehr in Ordnung – mit Ausnahme der Linken. Dass sich allerdings über diesen Besuch ausgerechnet die Partei empört, die zu Recht selbst vom Verfassungsschutz beobachtet wird, ist eigentlich eher lächerlich.

Milli Görüs wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Es gibt viele muslimische Gruppen in Braunschweig. Warum sind Sie ausgerechnet zu der umstrittensten gegangen?

Meine Besuche beim Fastenbrechen im Rahmen des Ramadan wechseln jedes Jahr von Gemeinde zu Gemeinde. Und immer kommen auch Vertreter der anderen Gemeinden dann dahin, zum Beispiel dieses Jahr in die Varrentrappstraße.

Und was Milli Görüs betrifft: Ein Vertreter der Organisation war auch Teilnehmer der Deutschen Islam-Konferenz bei Wolfgang Schäuble, dem gewissermaßen obersten Ver-fassungsschützer unseres Landes. Und dass wir uns gerade auch um solche Gruppen bemühen in Bezug auf die Integration ist zu Recht durch den Integrationspreis des Landes Niedersachsen gewürdigt worden. Und dass das erfolgreich verläuft, zeigt beispielsweise, dass ein Vertreter dieser Organisation meiner Einladung zur 60-Jahr-Feier Israels gefolgt ist. Darüber habe ich mich besonders gefreut.

Warum haben Sie den Dialog gerade an so einem Feiertag gesucht? Ihnen musste doch bewusst sein, dass Ihr Besuch dadurch besondere Beachtung findet.

Dies ist ja keine politische Veranstaltung. Es soll den Respekt vor einer anderen Religion und Glaubensausübung an einem ihrer höchsten Feiertage bezeugen. Dass das Beachtung findet, ist völlig beabsichtigt, denn wir müssen unseren muslimischen Gemeinden auch in Zukunft noch viel mehr öffentliche Aufmerksamkeit verschaffen. Die Gemeinden selbst sind zum Glück sehr an Transparenz und am Zugang durch die Öffentlichkeit interessiert.

Was haben Sie bei Ihrem Gespräch kritisch angesprochen?

Ich habe natürlich eingangs erwähnt, dass die Bundesorganisation von Milli Görüs äußerst kritisch beobachtet wird und dass ich bereits vor zwei Jahren zunächst Zweifel hatte, ob ich eine solche Einrichtung besuchen kann. Aber ich habe dann auch gewürdigt, dass die Braun-schweiger Gruppe bisher anders eingeschätzt wird und dass sie sich erkennbar um Integration, Öffnung nach außen und um die Absage an jegliche Gewalt bemüht. Das müsse auch so bleiben. Jeder, der Gewalt oder Terror billigen oder rechtfertigen würde, würde für mich als Gesprächspartner völlig ausscheiden.

Was hat Ihr Besuch konkret gebracht?

Mein gut einstündiger Besuch beim Fastenbrechen war nicht als "Verhandlungsrunde" gedacht. Aber ich habe mir beim Essen einige Wünsche und Projekte vorschlagen lassen und veranlasst, dass das jetzt auf Arbeitsebene durchgesprochen wird. Das wichtigste Ergebnis war: Auch durch meinen Besuch sind wir wieder etwas näher zusammengerückt und das gegenseitige Vertrauen ist weiter gewachsen.

Ich habe schon oft betont, dass die damit verbundene Arbeit – die nicht ohne Rückschläge sein wird – auf lange Zeit zu den wichtigsten Schwerpunkten unserer Kommunalpolitik gehören muss. Dieser großen Herausforderung müssen wir uns alle stellen.

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Veröffentlicht: 25.09.2008 - 00:01 Uhr
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