HBK-Studenten bangen um ihren Studiengang
Braunschweig Es geht um den Bachelor-Studiengang Industrial Design – Protest der Studenten: „Ausverkauf!“ – Hochschulleitung: Noch ist nichts entschieden
Ärger an der Hochschule für Bildende Künste (HBK): Wird der Bachelor-Studiengang Industrial Design geschlossen? Dagegen protestierten gestern die Studenten. Die Hochschulleitung stellt klar: Es ist noch nichts entschieden.
Klar ist jedoch auch: So, wie der Bachelor-Studiengang Industrial Design im Moment aufgestellt ist, wird er nicht bestehen bleiben. HBK-Pressesprecher Jesco Heyl sagte unserer Zeitung: „Es ist gut möglich, das der Studiengang weiterbesteht– jedoch in veränderter Form.“ Wie das aussehen wird, darüber war gestern noch nichts zu erfahren.
Die protestierenden Studenten jedenfalls erreichten Aufmerksamkeit für ihr Thema. Mit der Losung „Designer AUSverkauf wegen Geschäftsaufgabe“ versammelten sich Bachelor-Studenten des Studiengangs im Mensa-Foyer der Hochschule.
Auf Tischen wurden Flyer, Plakate und Studienarbeiten ausgebreitet. Dazu mannshohe Schilder aufgestellt. „Wir werden abgeschafft!....Und bald wird auch der ganze Rest verschleudert“, ist auf den Flyern zu lesen. Preisschilder klebten überall symbolisch für den befürchteten Ausverkauf. Um was geht es bei der Aktion?
Aus Sicht der Studenten geht es um „Bachelor – Restposten“, erklärte mir Jan Gustorf, einer der beiden Organisatoren des Protests. „Wir schaffen Platz für nichts, denn nach uns wird nichts mehr kommen“, erklärt er mir. Was ist gemeint? Die mögliche Abschaffung des Bachelor-Studiengangs Industriedesign liegt den Studierenden schwer im Magen. Ein Präsidiumsbeschluss vom März 2012 ist der Grund. Der bisherige Studiengang wurde überprüft – und für verbesserungsfähig erklärt. Eine Empfehlung wird am Montag, 29. Oktober, dem Niedersächsischen Wissenschaftsministerium vorgelegt.
Noch weiß das Ministerium nichts von diesem Vorschlag. Am Montag wird in Hannover über die Zukunft des Studiengangs diskutiert. Ministeriumssprecher Rüdiger Fischer: „Noch ist der Vorschlag nicht an uns herangetragen worden. Jedes Jahr wird in einer Zielvereinbarung das Studienangebot der Hochschule mit dem Ministerium erörtert. Was bei den Verhandlungen herauskommt, ist noch ungewiss.“
Die Studenten fühlen sich bei dieser Entscheidung übergangen. Die Furcht ist groß, dass es den Studiengang in Zukunft nicht mehr gibt. Moritz Sontheim, ein weiterer Organisator, erklärt: „Mit dieser Entscheidung wurde ein Sterben auf Raten speziell für unseren Studiengang eingeläutet – und vielleicht auch für andere.“
Doch war es nur der Beschluss, der das Fass zum Überlaufen brachte? Offenbar nicht. Die Studierenden kritisieren: Lehraufträge würden nicht verlängert. Die Nutzungsmöglichkeit von wichtigen Werkstätten werde reduziert. Für Anfragen und Kritik fühle sich keiner verantwortlich. Seitens der Hochschulleitung habe man nicht reagiert.
Wie viel ist dran an den Befürchtungen? Wird ein ganzer Studiengang geschlossen? Lutz Röttger, Leiter der zentralen Einrichtung zur Sicherung der Qualität in Studium und Lehre, bestätigte die Befürchtung nicht. „Es ist noch keine genaue Entscheidung über die Zukunft des Studiengangs getroffen worden. Wir haben festgestellt, dass der Studiengang überarbeitet werden muss und nicht ausgelastet ist.“ Auch die Kosten spielen eine Rolle. Insgesamt sind es zur Zeit 80 Studienplätze, für die ein Lehrangebot aufrecht erhalten werden muss. Steigende Zahlen bei den Neuzugängen verzeichnet der Industrie-Bachelor laut Röttger nicht.
Wohin der Weg der Veränderungen gehen soll, macht Lutz Röttger deutlich. „Ich hoffe auf eine bessere Verzahnung mit anderen Studiengängen, denn daran hat es bislang gehapert.“
Hat der Protest gestern etwas bewirkt? Die Studenten sind optimistisch. Jan Gustorf sagt: „Wir haben die Hoffnung, dass sich in Zukunft etwas ändert. Es gibt in Deutschland keinen besseren Standort für einen Studiengang wie diesen.“

