Grüne: Busse sollen über den Madamenweg nach Lamme fahren
Braunschweig Die Ratsgrünen wollen, dass die Buslinie 418 bis nach Lamme verlängert wird – ein Stich ins Wespennest. Denn es soll über den Madamenweg gehen.
Madamenweg-Durchbruch – die Idee ist nicht neu und mehrere Anläufe sind bereits gescheitert. Die Grünen wollen der Kritik die Spitze nehmen und verknüpfen ihren Rats-Antrag mit Auflagen.
• Der Amphibienschutz entlang des Madamenwegs soll während der Wanderungszeiten sichergestellt werden.
• Die Durchfahrt am Raffturm zur Bundesstraße 1 soll zum Beispiel durch einen nur ferngesteuert absenkbaren Poller begrenzt werden.
Prompt hagelt es Kritik von allen Seiten. Denn was die Grünen wollen, gleicht zunächst einmal einem ordentlichen Tritt vors Schienbein von Dezernent Joachim Roth.
Der hatte erst vor wenigen Monaten glücklich verkündet, dass die Buslinie 450 umgeleitet wurde, was für eine deutliche Verbesserung der Busverbindung in Lamme gesorgt habe.
Kommando zurück, sagen die Grünen. Die Linie 450 soll wieder auf der alten Route fahren.
Verkehrs-AG-Aufsichtsratsvorsitzender Carsten Müller (CDU) versteht die Welt nicht mehr: „Der Aufsichtsrat hat erst vergangene Woche getagt. Kein Sterbenswörtchen hat Grünen-Vertreter Gerald Heere über dieses Vorhaben fallen lassen. Warum nicht?“
Heere sagt: „Die Verkehrs-AG wünscht sich, diese Strecke zu fahren.“
Müller ist der Auffassung: „Bevor die Grünen über grün beleuchtete Poller nachdenken, die hoch und runter fahren, sollten sie darüber nachdenken, welche immensen und völlig unnötigen Kosten sie mit ihrem Plan der Stadtkasse auferlegen.“
Irritiert ist Bezirksbürgermeister Jürgen Dölz (SPD). Denn der Antrag der Grünen soll nicht im Bezirksrat Westliches Ringgebiet diskutiert werden. Obwohl der Madamenweg dort liegt. Dölz meint: „Es liegt im Interesse des Bezirks, dass die Buslinie 418 häufiger fährt. Am besten alle 10 Minuten. Eine M-Linie.“ Doch davon ist im Antrag der Grünen nichts zu lesen.
Und dann gehen den Grünen auch noch die Naturschützer von der Fahne. Weil der Amphibienwechsel am Raffteich der einzige im Westen der Stadt ist, hat sich am Madamenweg eine Nabu-Gruppe gebildet.
Seit 20 Jahren helfen die Ehrenamtlichen Fröschen, seltenen Lurchen und dem europaweit geschützten Kamm-Molch über die Straße. Doch wenn Busse nach und aus Lamme über den Madamenweg fahren sollten, „werden wir uns aus Protest auflösen. Denn wenn die hydraulischen Poller nur drei Tage nicht funktionieren, ist der Amphibienbestand vernichtet“, sagt Manfred Frej. Er habe den Nabu-Braunschweig von der bevorstehenden Auflösung der Gruppe bereits informiert.
Frej verweist darauf: „Einfach Krötentunnel zu bauen, reicht am Madamenweg nicht. Wegen der Entwässerungsgräben am Straßenrand würden die Tunnel bei Regen zur tödlichen Falle für andere Kleintiere werden. Der Madamenweg müsste aufgeständert werden.“
Holger Herlitschke, Fraktionschef der Grünen, sagt, dass eine Komplett-Untertunnelung bis zu einer Million Euro kosten können: „Aber die Verwaltung ist ausdrücklich aufgerufen, Alternativen vorzuschlagen. Während der Amphibien-Wanderung könnte der Busverkehr auch eingeschränkt werden.“
Frej ist zudem Bürgermitglied im Sanierungsbeirat der Sozialen Stadt, in dem der Madamenweg liegt: „Unser Maßnahmenkatalog sagt ganz klar: Es sollen weniger und nicht mehr Busse auf dem Madamenweg fahren.“
Hintergrund ist, dass die Lärmbelastung auf dem Madamenweg gesundheitsschädigend hoch ist. Sogar nachts.
Grund: Die Straße ist Schleichweg in die Weststadt. Von den 7000 Fahrzeugen täglich, die auf dem Madamenweg fahren, stammen etwa 2500 aus der Weststadt. Weil an der Straße zudem fünf Kitas und Krippen, ein großer Spielplatz, die Sportplätze vom VfB Rot-Weiß liegen und das Ringgleis kreuzt, setzen sich die Anwohner für eine Verkehrsberuhigung ein.
Ein Teilerfolg, eine kurze Tempo-30-Zone samt Querungshilfe, wurde erzielt, weil vor dem Rot-Weiß-Platz ein junger BSC-Acosta-Kicker angefahren wurde.
Für entsprechend gereizte Stimmung sorgt der Antrag der Grünen darum beim Sprecher von Rot-Weiß, Bernhard Schnelle: „Dass Bezirksbürgermeister Dölz nur zufällig Wind von dem Antrag bekommen hat, bestärkt mich in meiner Auffassung, dass die Ratsgrünen hier an der Öffentlichkeit vorbei Fakten schaffen wollen.“



