Gewandhaus: 650 Jahre Schankrecht
2002-10-21T20:30:16+0200Jubiläumsfeier mit einem mittelalterlichen Mahl in dem historischen Gewölbekeller
Der Gewandhauskeller gehört zu den ältesten gastronomischen Einrichtungen Norddeutschlands, ist der älteste historische Gastronomie-Gewölbekeller Niedersachsens. 1352 – vor 650 Jahren – verlieh ihm der Rat das Schankrecht. Für Gewandhaus-Gastronom Jürgen Heinze Grund genug, dieses Jubiläum mit einem mittelalterlichen Mahl zu feiern. Und das nächste Jubiläum steht an, denn das Gewandhaus, Sitz der IHK, wird 2003 700 Jahre alt.
1303 wurde dieses Gewandhaus erstmals erwähnt. Die Gewandschneider, wie die Tuchhändler genannt wurden, unterhielten allerdings bereits seit 1268 ein Lager-, Verkaufs- und Gildehaus in der Altstadt, in dem auch schon sehr früh Bier und Wein ausgeschenkt wurde. 1303 erwähnen Urkunden das Gildehaus als „Kophus“ und „Klederhof“, einen Bau, der in der Folgezeit erweitert wurde.
Urkunde im Stadtarchiv
In einer Urkunde, die im Stadtarchiv aufbewahrt wird, besiegelte der Rat 1352 das Schankrecht für den Keller, der schon seit früher Zeit als Weinkeller genutzt worden war. Als das ursprüngliche Gebäude baufällig geworden war, entschlossen sich die wohlhabenden Tuchhändler 1588/ 89 zu einem Umbau, in dessen Rahmen die Renaissancefassade an der Ostseite des Hauses entstand, die noch heute zu bewundern ist. Diese Schaufassade gehört zu den bedeutendsten Werken der Renaissancebaukunst in Deutschland.
Seit 1910 Sitz der IHK
Seit 1910 ist das Gewandhaus Sitz der Industrie- und Handelskammer. Im Keller des Hauses bestand die Gastronomie weiter. Peter Borel hieß der schon fast legendäre Wirt, der den Gewandhauskeller in der Vorkriegszeit zu Ansehen führte, ihn zum gesellschaftlichen Treffpunkt Braunschweigs machte.
Er war es auch, der Ende der 40erJahre das alte Rüninger Zollhaus, ein Fachwerkbau aus dem Jahr 1642, an den Altstadtmarkt umsetzen und an das Gewandhaus anbauen ließ. Dieses Fachwerkhaus soll ein wenig an die vielen festen Buden der Kramer und Hoken erinnern, die bis zu den Bombenangriffen 1944 rund um den Altstadtmarkt standen. In ihnen wurden landwirtschaftliche und handwerkliche Produkte für wenig Geld ver„hökert“.
Borel führte den Gewandhauskeller bis in die 60er-Jahre hinein. Ihm folgte Karl-Heinz Herbst, Gewandhauswirt bis 1990. Die Keller-Gastronomie entsprach nicht mehr den modernen Anforderungen, so ließ sie die Stadt als Eigentümerin von 1990 bis 1993 aufwändig renovieren. Nach einem kurzen Gastspiel von Hans Grashoff übernahm Jürgen Heinze das Traditionsrestaurant.
Er feiert das Jubiläum am Mittwoch und Donnerstag angemessen mit einem mittelalterlichen Mahl, mit „Bänkelsänger, Gaukler und allerlei Kurzweil“, mit tönernen Bechern und Tellern, fast so wie zu den Zeiten, als die Gewandschneider ihre Geschäfte in dem historischen Gewölbe begossen.


