Freie Bustickets und saubere Discos – das bewegt Jugendliche
Braunschweig Was ist aus den Forderungen geworden, die die Teilnehmer der Jugendkonferenz vor einem Jahr erarbeitet haben? Wir ziehen Bilanz.
Direkte Busverbindungen
zu allen Schulen
Dieses Thema brennt vielen Jugendlichen unter den Nägeln: Wer in den Außenbezirken wohnt, braucht mit dem Linienbus bis zu einer Stunde bis zur Schule und muss oft umsteigen. Das Thema wurde vom Jugendhilfeausschuss aufgenommen und dort diskutiert. Passiert ist jedoch bislang noch nichts. Mehrere Parteien erklärten, dass sie an dem Thema „dran bleiben“ wollen. Da die Umsetzung jedoch einiges kosten würde, bräuchte es dafür einen Ratsbeschluss.
Freie Busfahrkarten für alle Schüler das ganze Jahr
Wer kein Busticket hat, kann keine Freizeitangebote nutzen und kann keine Freunde in anderen Stadtteilen besuchen – auch dieser Punkt ist vielen Jugendlichen wichtig. Sowohl Grüne als auch SPD erklärten im Jugendhilfeausschuss, dass sie sich weiter um das Thema kümmern wollen. Der Jugendring bat die Verwaltung einen Kostenvoranschlag zu erstellen. Das Ergebnis: zwischen 10 und 13 Millionen Euro (ausgehend vom normalen Fahrpreis). Grüne und SPD kritisierten die Schätzung als falsch, da man mit der Verkehrs-AG keinen Rabatt ausgehandelt habe. Eine Neuberechnung fand aber bisher nicht statt, das Thema wird seit Monaten nicht mehr diskutiert.
Offene Sportangebote auf dem Schulhof der Sophienstraße
Nach Absprache mit der Schulleitung wurden Fußballtore und Bälle angeschafft. Die Jugendlichen bauen die Tore in den Pausen selbst auf und ab. Forderung umgesetzt.
Mehr Gesamtschulen
Viele Schüler sind dafür, mehr Gesamtschulen zu gründen. Die frühe Trennung führe zu Diskriminierungen, sagten sie. Im November 2011 beschloss die neue Ratsmehrheit, eine fünfte IGS zu gründen.
Mobbing und
Gewalt an Schulen
Gewalt und Diskriminierung gibt es an allen Schulen - und das ist nicht gut, sagten die Jugendlichen. In Braunschweig entscheidet jede
Schule selbst, wie oft sie sich mit diesen Themen beschäftigt. Während das Netzwerk gegen Gewalt permanent zum Thema arbeitet, stellt das Jugendamt auf Wunsch den Schulen Experten für Workshops oder Elternabende zur Verfügung.
Angebote der Jugendzentren besser bekannt machen
Während der Konferenz sagten viele Jugendliche, dass sie sich nicht darüber informiert fühlen, was in ihrem Stadtviertel passiert. Um das zu ändern wurde die Internetseite www.bs4u.de neu gestaltet und die Jugendzentren dort verlinkt. Die Stadt hat einen Kinderstadtplan herausgegeben und die städtischen Jugendzentren veröffentlichen jetzt monatlich ein Faltblatt mit ihren Angeboten.
Mehr bezahlbare Freizeitangebote in den Jugendzentren
Die meisten Veranstaltungen der Jugendzentren (JZ) sind bereits günstig oder kostenfrei. Das ist anscheinend aber zu unbekannt. Das neue Info-Faltblatt soll dagegen helfen. Die Jugendlichen werden in den JZ befragt, welche Angebote sie sonst noch wollen.
Günstige Sportangebote
für Mädchen
Zu viele Mädchen betreiben keinen oder kaum Sport – weil sie die Angebote nicht kennen oder ihnen das Geld dafür fehlt. Die Stadt veranstaltete deswegen zum 3. Mal einen Mädchensporttag. Und: Seit Frühjahr 2012 bietet der Stadtsportbund in Schulen das Sportartenkarussell an. Die Schüler lernen dabei neue Sportarten kennen und erfahren, in welchem Verein was angeboten wird. Wer danach in einen Verein will und nicht genug Geld hat, kann bei der Bürgerstiftung ein Stipendium beantragen oder über den Braunschweig Pass eine Ermäßigung erhalten.
Billige Wochenend-
Fahrten
Jugendliche haben oft wenig Geld – seit kurzem gibt es deswegen nun eine Geschwisterermäßigung für Ferienfahrten.
Saubere Diskotheken
Weggehen macht keine Spaß, wenn die Discos zu dreckig sind. Das Jugendamt nahm die Beschwerde ernst und verschickte an die Diskothekenbetreiber einen Brief, in dem es die Bitte der Jugendlichen schilderte. Einfluss nehmen auf die Betreiber kann die Stadt aber nicht.
Eine „Lounge“ am Westbahnhof
Der konkrete Wunsch der Jugendlichen: eine kostenloser Platz zum „Chillen“. Im nächsten Jahr entsteht am Westbahnhof ein Jugendplatz mit Tischtennisplatten, Skater- und Basketballplatz. Zwei Überseecontainer sollen aufgestellt werden, um dort Toiletten und einen Treffpunkt einzurichten. Die Finanzierung ist durch die Stadt und durch Fördermittel sichergestellt.
Besser über Drogen aufklären
Mehrere Jugendliche sagten, dass es wichtig ist, besser über die Gefahren von Drogen aufzuklären. Die Stadt hat reagiert und das Jahr 2013 zum Aktionsjahr Sucht erklärt. Das genaue Programm stellen wir in Kürze vor.
Reden Sie mit: Was brennt Jugendlichen noch unter den Nägeln?
