Flügel abgebrochen – Weltgrößter Papierflieger stürzt ab
Braunschweig Der größte Papierflieger der Welt sollte Braunschweiger Studenten ins Guinness-Buch der Rekorde bringen – aber der Rekordversuch ist am Freitag gescheitert.
Kurz nach dem Start knickte der rechte Flügel nach oben, wenige Meter vor der Ziellinie stürzte der Flieger aus Papier und Klebstoff ab. Bei einem ersten Versuch war das Flugzeug noch halbwegs unbeschadet geblieben, hatte aber nur etwa zehn Meter geschafft.
„Er ist geflogen“, zog Thomas Krüger, Doktorand am Institut für Flugführung (IFF) der TU, Freitag eine durchaus positiv Bilanz. Und das obwohl er und seine Kollegen bei dem Versuch, den größten flugtüchtigen Papierflieger der Welt zu bauen, scheiterten.
Olaf Kuchenbecker war eigens aus Hamburg angereist. Der Rekordrichter vom Guinness-Buch der Rekorde sollte überprüfen, dass alle Regeln eingehalten werden. Eine Urkunde hatte er auch mitgebracht. „Seit 1995 hält die TU Delft in Holland den Weltrekotrd – mit einem Papierflieger von 13,97 Metern Flügelspannweite“, schilderte Kuchenbecker, was die Braunschweiger zu überbieten hatten.
Die Regeln: Kein Baumaterial außer Klebstoff und Papier von höchstens 150 Gramm Gewicht pro Quadratmeter. Der Klebstoff darf lediglich für Verbindungen, nicht aber zur Verstärkung von Flächen benutzt werden. Und das Flugzeug muss mindestens 15 Meter weit segeln, um als flugfähig zu gelten.
Dieser Herausforderung stellte sich ein Team von rund 25 Studenten der Fakultät Maschinenbau unter der Leitung dreier Doktoranden vom IFF, dem Institut für Flugzeugbau und Leichtbau und dem Institut für Luft- und Raumfahrtsysteme. Gemeinsam konstruierten sie einen Flieger mit 15 Metern Spannweite.
„Vor knapp vier Wochen haben wir angefangen“, sagt Stefan Marth, der in einer Vorlesung zur Konstruktion von Flugzeugen gefragt wurde, ob er sich an dem Projekt beteiligen wolle. „Letztes Wochenende haben wir täglich zwölf Stunden gebastelt.“
Mit dem Studium habe das aber nur wenig zu tun, sagt der 24-Jährige, der sich im zweiten Semester des Master-Studiengangs Luft- und Raumfahrttechnik befindet. Trotz Stress und hoher Arbeitsbelastung – Marth nennt das alles „Freizeit“.
Weniger locker zeigte sich das Team der TV-Produktionsfirma, die die ganze Aktion für das Pro7-Magazin „Galileo“ organisiert und auch die 4500 britischen Pfund für den Guinness-Rekordrichter bezahlt hatte. Immer wieder verscheuchten sie Reporter und Fotografen von Presse und Rundfunk vom Parkett der VW-Halle, auf dem die Studenten ihren Papierflieger montierten.
Als das Flugzeug dann direkt nach dem Wurf steil nach unten zog und bereits nach wenigen Metern unsanft auf dem Hallenboden landete, drängte der Regisseur auf einen zügigen zweiten Versuch. „Jetzt noch eine Stunde höchste Konzentration. Los, ihr kriegt das hin!“, motivierte er die Studenten, wissend, dass sie die Halle bald räumen mussten.
Doch was war falsch gelaufen? „Die Nase war zu schwer“, erläuterte Student Marth während der Reparatur und des Umbaus des Fliegers. „Darum haben wir jetzt vorn Gewicht rausgenommen und versuchen, über Trimmbleche hinten für mehr Auftrieb zu sorgen. Außerdem brauchen wir mehr Geschwindigkeit beim Anlauf.“
Leichter gesagt als getan. Von vielen Händen musste die rund 15 Kilogramm schwere, fragile Konstruktion vorsichtig angehoben und dann an empfindlichen Punkten auf Besen abgestützt zum „Werfer“ Andreas Scholtz auf einen Bühnenwagen hinaufgereicht werden. Schon dieses Manöver war nicht ohne kleinere Schäden am Flieger abgelaufen.
Der trotz des vorsichtigen Anlaufs kraftvolle Abwurf war der kritische Moment der ganzen Aktion. Hier erwies sich die langjährige Erfahrung des Doktoranden Scholtz mit Modellflugzeugen als hilfreich.
Tatsächlich konnte er den Schwung beim zweiten Versuch noch einmal steigern. Der Flieger blieb einen Moment in perfekter Lage, segelte über das Parkett – bis ein Flügel brach. Der Flug endete kurz vor der Ziellinie. „Leider bekam der Flieger auf einer Seite zu viel Auftrieb“, erklärte Projektleiter Martin Pietrek das Scheitern.
Trotzdem war nicht alles vergebens. „Es gibt Optimierungsbedarf, aber das Grundkonzept kann man weiterverfolgen. Wir können aus den Versuchen eine Menge lernen“, resümierte Doktorand Krüger.
