Finale der Musikschultage – Jazz auch mal mit Körpereinsatz
Braunschweig Rund 300 Besucher kamen zum Abschluss der Braunschweiger Musikschultage – nach 25 Veranstaltungen mit mehr als 600 musizierenden Schülern.
Am Ende der Braunschweiger Musikschultage ein pulsierender, jazziger Abend. Befreites Musizieren nach 25 Veranstaltungen in der Stadt. Über 600 Schülerinnen und Schüler zeigten sich auf mehreren Bühnen. Bianca Winter vom Kulturinstitut freute sich über mehrere tausend Besucher. Zum Finale kamen noch mal 300 ins Kleine Haus. Werbung für die Musikschule und für Braunschweig. Denn von vielen Talenten dieser Woche darf man hoffen, dass sie auch außerhalb der Stadt überzeugen.
„Tastentaumel“ heißt bekanntlich ein anderer Braunschweiger Veranstaltungsreigen. An diesem Abend verband der 17-jährige David Huros bei seiner Komposition „Addicted to speed“ in überzeugender Weise Taumel und Präzision. Huros ist, wie berichtet, neben Lena Neumann, Shari-Sophie Birkhahn und Lukas Michels einer der Ausgezeichneten der Gertrud-Fricke-Stiftung.
Vor allem die „Single-Ladies Show“ hat das Zeug, in der Fremde allzu hausbackene Vorstellungen von dieser Stadt entschieden zu korrigieren. Ihren kessen Hüftschwung haben die Jazz-Vokalistinnen Lena Neumann, Shari-Sophie Birkhahn, Mary Frenk, Melissa Meister und Chiara Novak sich wohl außerhalb des Musikunterrichts beigebracht. Jazz mit einem Körpereinsatz, den die Mütter dieser Töchter sich einst noch nicht so recht zutrauten.
Die Liedtexte des Jazz handeln zu 90 Prozent von der Liebe und der Sehnsucht danach. Kein Problem zum Beispiel für die 17-jährige Lena, sich hundertprozentig einzufühlen.
Die schmerzlichen und einsamen Seiten der Liebe kamen dann eher in den Jazzstandards der Jazzcombo „So what“ vor. Bandleader Bernd Dallmann war sichtlich stolz auf seine Formation. Unerfüllte Liebe kann so weh tun. Und keiner hat das an diesem Abend mit Hilfe von „So what“ inniger ausgedrückt als der Jazz-Vokalist Matthias Koeninger.
Und weiter ging’s mit den Wechselbädern aus der Sehnsuchtslandschaft des Jazz. Auf der Bühne die Big Band der Städtischen Musikschule unter der Leitung von Karle Bardowicks. Dieser erscheint rein optisch erst mal als einer, der im deutschen Finanzwesen zuhause ist. Und dann wirkt Bardowicks so fulminant auf sein Ensemble ein, dass diesem gar nichts anderes übrig bleibt, als alles zu geben.
Georg Renz hatte sein Fagott mal wieder beiseite gelegt und führte den Nachweis, dass auch Männer knapp jenseits der Sechzig noch von Liebe träumen können. „You are the sunshine of my life“ sang er mit einer Inbrunst, die seine Ehefrau, wäre sie da gewesen, zu Tränen gerührt hätte.
Unvermeidlich wurde da die Mutter aller Zugaben: „Sing, sing sing“, 1936 von Louis Prima komponiert und für das amerikanische Plattenlabel „Brunswick Records“ in Schellack gepresst.
Ach, Brunswick klingt viel schöner als Braunschweig.



