Entenhausen grüßt Braunschweiger Löwen
Die Duckfamilie im Lichte jüngster Forschungsergebnisse – Kongress und Ausstellung der Donaldisten in der Handwerkskammer
Donald Duck schwingt den Hammer. Immer drauf auf Braunschweig. Womit das Leitmotiv der Ausstellung, die gestern Abend eröffnet wurde, auf das Schönste getroffen wird: "Handwerk in Entenhausen".
Dort hat das Handwerk noch goldenen Boden. Den Nachweis liefern in einer Dokumentation Braunschweiger Donaldisten um Uwe Wackernagel und Michael Welling. Der eine Elektromeister, der andere Pressesprecher einer Forschungseinrichtung. Es lag bei dem Thema nahe, dass die Handwerkskammer Braunschweig gerne ihre Räumlichkeiten am Burgplatz zur Verfügung stellte. Löwe und Ente in fruchtbarer Nachbarschaft.
Handwerk in Entenhausen – das ist geniales Improvisationstalent und grandioses Scheitern, beides zutiefst angelegt in einer Person: Donald Duck. Jedes Misslingen ist Nährboden für einen neuen Anlauf, die Technik zum Wohle der Bürger Entenhausens einzusetzen. Sind wir angesichts solcher Erfahrungen nicht alle ein bisschen Donald Duck?
In Entenhausen gibt es, wie wir erfahren, nicht nur klassische Berufe wie Glaser, Bäcker oder Dorfschmiede, sondern auch Spezialisten wie Hörgeräteakustiker, Landmaschinenmechaniker, Kälteanlagenbauer und solche mit der Lizenz zum Löten. Stukkateure sind zu unserer Überraschung auch in der Kosmetikbranche tätig. Und Frisuren werden gerne mit der Kettensäge geschnitten.
Die Ausstellung ist der Auftakt zum 33. Kongress der Deutschen Organisation der Nichtkommerziellen Anhänger des Lauteren Donaldismus (D.O.N.A.l.D.). Die Entenforscher stellen am 27. März ihre neuesten Untersuchungsergebnisse vor.
Was macht den Mann zum Donaldisten? Unser prüfender Blick fällt auf Uwe Wackernagel. Es ist die Verzweiflung über die Welt wie sie ist und das unstillbare Verlangen, Tag für Tag das große Kind in sich zu begrüßen. Bei intellektuellen Duck-Forschern tritt noch die Lust hinzu, den Wissenschaftsjargon zu karikieren. Was Wackernagel angeht, hatte er keine Schwierigkeit, sich zu outen. "Ich bin Donaldist, und das ist auch gut so."
Donaldisten interessieren sich nicht für die heutigen Duck-Geschichten. Ihr Forschungsgebiet sind die Figuren des amerikanischen Comicautors und Zeichners Carl Barks (1901 – 2000): Donald Duck, der Multimilliardär Dagobert Duck, Daniel Düsentrieb, die Watschelkinder Tick, Trick und Track sowie die Panzerknackerbande.
Ohne dem Sprachwitz der Übersetzerin Erika Fuchs, einer promovierten Kunstwissenschaftlerin, wäre der Donaldismus in Deutschland wohl weniger tiefsinnig ausgefallen. Von ihr stammen die legendären Sprechblasen "Wo man hinschaut, nichts als Gegend" und "Dem Ingenör ist nichts zu schwör."
Die "Donaldistische Akademie der Wissenschaften" verleiht alljährlich den mit 100 000 Talern dotierten Professor-Püstele-Preis. Herausragende Arbeiten befassten sich mit der "Abfallwirtschaft in Entenhausen" und verloren sich im Philosophischen. Dafür stehen Untersuchungen wie "Tiefpunkte in der Sinuskurve des Seins oder die wahre Kampfkunst in Entenhausen" oder "Panik, ,Platzangst, Paranoia: Ein Blick hinter die Entenhausener Fassade". Da fallen auch für uns immer wieder fruchtbare Erkenntnisse ab.
Der Braunschweiger Kongress wird, wie Handwerksmeister Wackernagel vermutet, in ähnlicher Weise beflügeln. Man darf annehmen, dass die Gäste sich in Braunschweig wohl fühlen werden, wurde doch hier vor Jahren die "Duckumenta" von Professor Eckhart Bauer und anderen aus dem Umfeld der Hochschule für Bildende Künste gegründet. Die "Duckumenta", seit Jahren Braunschweiger Exportschlager, spinnt mit neuen Einfällen die Geschichten Entenhausens in genialer Weise fort.
