Enges Verhältnis zur Kernstadt
2004-11-22T22:00:00+0100Lehndorf hat eine wechselhafte Geschichte – Vom kleinen Dorf zum großstädtischen Bezirk
Auf einer Urkunde, deren einzig erhaltene Abschrift heute eingebunden in ein kostbares Plenar – "Gebetsbuch für die Sonntage" – des Welfenschatzes in Berlin erhalten ist, wird Lehndorf im Jahre 1067 zum ersten Mal erwähnt.
Die Nennung der Markgrafen Ekbert I. und Egbert II. und der Markgräfin Gertrud in dieser Schenkungsurkunde lässt vermuten, dass Lehndorf, ein früh verlehntes Dorf zum Besitz der Brunonen, diesem frühesten Braunschweiger Fürstengeschlecht gehörte.
Auch der fast unveränderte Name Lenthorp (1067), Lenthorpe (1226), Leendorp (1311), Lenndorff (1539) kann diese Vermutung bekräftigen. Besonders auch, da es hier kein altes, dörfliches Adelsgeschlecht gab.
Das erste Schulhaus
Gleich nebenan steht das erste Lehndorfer Schulhaus, das 1759 als Schule und Oppermanns Wohnhaus auf Gebot Herzog Carls I. neu erbaut wurde. In der noch erhaltenen Schulstube kann man heute ein gepflegtes Bier bekommen. Hat es doch als "Wolfs Gasthaus" seine ursprüngliche Form bewahrt.
Unter den vielen, seit der ersten Gebietsreform zur Stadt Braunschweig gehörenden Landgemeinden hat Lehndorf seit Jahrhunderten zur Kernstadt Braunschweig ein besonders enges Verhältnis. Als eines der vier so genannten Pfahldörfer Ölper, Rühme, Rüningen und Lehndorf war es seit dem 14. Jahrhundert von der, die Stadt im weiten Bogen umrundenden Landwehr geschützt und unterstand städtischer Gerichtsbarkeit. Mit ihrem wehrhaften Wall- und Grabensystem von 32 bis 34 Metern Breite war die Landwehr im Westen Braunschweigs ein wichtiger Schutz vor dem seinerzeit häufigen Viehraub und vor plötzlichen Überfällen kriegerischer Truppen.
Dennoch wurde die Landwehr und somit Lehndorf immer wieder von den herzoglichen Truppen überrannt. Im Oktober 1605 war während der Belagerung der Stadt durch den Herzog für 22 Wochen "auch in Lehndorf eine Fahne Reuter und Knechte geleget worden und damalen unter den anderern Polyrungen (Plünderungen) auch die Kirche und das Pfarr-Pfarrhaus ausgeraubet worden."
Während des 30-jährigen Krieges entschied im November 1615 die Gefangennahme des Grafen Solms auf der Landwehr über den Abbruch der Belagerung Braunschweigs durch den Herzog und die dänischen Truppen. Bis zur Unterwerfung der Stadt Braunschweig 1671 hatten die Dörfer der Umgebung regelmäßig große Schäden, Verwüstungen, Not und Plünderungen erdulden müssen. Obwohl Lehndorf kein reiches Bauerndorf war, wurde es mehrmals verwüstet.
An den wichtigen Handelsstraßen bildeten die so genannten "Türme" wie der Lehndorf zugehörige Raffturm die Straßendurchlässe der Landwehr und spätere Zollstationen. Alle Braunschweiger "Türme" wurden im 17. Jahrhundert zu Herbergen und Wirtshäusern mit Schankrecht ausgebaut.
Die "Kruggerechtigkeit" das Raffturms gehörte nach Lehndorf und wurde bis in die heutige Zeit gleich-zeitig mit der Krugwirtschaft "Zur Krone" von einer alten Lehndorfer Familie bewahrt. Nach einer Überbelegung durch die Flüchtlinge des Kriegsendes in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts hat sich die Bevölkerungszahl in Alt-Lehndorf im Jahre 2000 auf etwa 1300 Einwohner eingependelt.
Das andere Lehndorf
Und dann gibt es ja auch noch das andere Lehndorf: die Siedlung Lehndorf, die im Zusammenhang mit den großen Stadterweiterungen Braunschweigs entstand. Nach dem 1. Weltkrieg zwangen eine große Wohnungsnot und die notwendig gewordene Altstadtsanierung der mittelalterlichen Innenstadt die Stadtverwaltung, neue Siedlungsgebiete zu erschließen.
Für die Siedlung Lehndorf wurde der Grundstein am 21. März 1934 mit einem großen Festtag gelegt. Die Siedlung war zuerst für 6000 Einwohner geplant.
Im Frühjahr 1935 fiel auch endlich die Entscheidung für die Gestaltung des Zentrums der Siedlung am heutigen Saarplatz. Erst 1940 konnte nach sehr langen Kämpfen die jetzige evangelische Wichernkirche geweiht werden. Die katholische Heilig-Geist-Kirche in der St. Ingbertstraße wurde im Jahre 1963 gebaut.
Sind die meisten Häuser der Siedlung Einfamilien-, Zweifamilien- und Siedlungshäuser, so ziehen sich an der Saarstraße vom Beginn bis etwa zum Pawelschen Holz Mietwohnungen in mehrgeschossigen Wohnblocks entlang.
Zeitbedingt durch den unmittelbar bevorstehenden Wieder-Anschluss des Saargebietes an Deutschland 1935 erhielt die junge Siedlung fast ausschließlich Straßennamen dieses Gebietes.
Ein reges Leben der verschiedensten Vereine, des Siedlervereins, der Sportgemeinschaften und der Kirchengemeinden, besonders auch mit der aktiven, mehr als 100 Jahre alten "Freiwilligen Lehndorfer Feuerwehr" ermöglichen vielfältige, kulturelle Veranstaltungen.




